Heft 2 vom 14.10.1989 scan 2026-04-12

Erster Abendverkauf ein Flop



Am 5. Oktober fand der erste sogenannte „Dienstleistungsabend" auch in Konstanz statt. Die euphorische Einschätzung des „Südkurier" vom 6.10. kann ich nicht teilen, denn die größeren Geschäfte, wie z.B. Hertie, Woolworth, Straub, Öchsle, Ziege, Kornbeck und Gradmann waren geschlossen, ebenso der Grosso-Markt im Seerhein-Center und das EKZ im Industriegebiet. Hauptsächlich blieben kleinere Geschäfte zwischen Schnetztor und Münsterplatz geöffnet, ebenso die kleinen Läden im Seerhein-Center, die vom Mietervertrag her verpflichtet sind, Donnerstag bis 20.30 Uhr dienstbereit zu sein. Aber bei deren Pächtern scheint es noch Kontroversen über den „Dienstleistungabend" zu geben. In der Altstadt war zwar viel Publikum, das Kaufinteresse aber eher zurückhaltend. Größere Teile der Bevölkerung scheinen nicht voll hinter den verlängerten Öffnungszeiten zu stehen. Die Verkäuferinnen lehnen den „Dienstleistungsabend" völlig ab, und das zu Recht. Ihre Arbeitszeit ist sowieso schon sehr ungünstig, die Bezahlung miserabel. Eine Verkäuferin mit sechs Jahren Berufserfahrung z.B. „verdient" nur 2380 DM brutto. Die Gewerkschaft HBV tritt für die Festschreibung des Ladenschlusses um iS.joUhr ein. Bisher konnten die Betriebsräte verhindern, daß in „ihren" Firmen länger als 18.30 Uhr geöffnet bleibt. - (anw)