Heft 3 vom 04.11.1989 scan 2026-04-12

Erfolge der REPs in Radolfzell und Stockach


antifa

Die REPs in Radolfzell erreichten bei den Gemeinderatswahlen von 200953 abgegebenen Stimmen (jede/r Radolfzeller/ in hatte 23 Stimmen) 921, das entspricht 0,45%. Anders als es auf den ersten Blick erscheinen mag läßt dieses Ergebnis keinen positiven Schluss auf das Bewusstsein der Mehrheit der Radolfzeller Bürgerinnen zu. Stattdessen ist es die Folge der Unfähigkeit der REPs, ihre Listenkandidaten rechtzeitig aufzustellen. So kam es, dass bei den Gemeinderatswahlen nur ein „Republikaner" aus dem Ortsteil Böhringen auf der Liste zu finden war.

Bei den Wahlen zum Kreistag wurde dann die noch am 26. Oktober geäußerte Meinung des Radolfzeller Wochenblatts widerlegt, der Rechtsruck in Baden-Württemberg sei an Radolfzell vorbeigegangen: Die REPs erhielten 5,3% der Stimmen. Sie schafften es zwar nicht, einen Radolfzeller in den Kreistag zu entsenden, hatten aber damit prozentual den höchsten Stimmenanteil der REPs im Landkreis Konstanz erzielt. In Stockach reichten den REPs schon 4,5% aus, um einen ihrer Anhänger in den Kreistag zu schicken - es ist der einzige „Republikaner", der in diesem Gremium vertreten sein wird.

Mit einem solchen Überdurchschnittlichen Stimmenanteil (der Durchschnitt der REP-Stimmen bei den Kreistagswahlen liegt im gesamten Landkreis bei 2,4%) war in Radolfzell und Stockach schon vor den Wahlen zu rechnen. Sind doch gerade in Radolfzell (wie in Stockach) bürgerliche und damit eher konservativ eingestellte Schichten besonders stark vertreten. Trotzdem muss mit einem noch größeren faschistischen Potential gerechnet werden. In diesem Zusammenhang sind auch zunehmende Aktivitäten anderer faschistischer Gruppen (z.B. Wiking-Jugend) in Radolfzell zu sehen, die erst kürzlich durch das massive Verbreiten von Nazi-Propaganda auffielen. Die Mehrzahl der Radolfzeller Bürgerinnen reagierte darauf mit Gleichgültigkeit. Deshalb ist hier wie auch anderswo eine antifaschistische Arbeit ebenso wie eine Koordination der einzelnen Gruppen sinnvoll. Auch in Stockach wäre antifaschistische Aufklärung nötig, scheint doch Stockach auf unabsehbare Zeit in einem reaktionären Dornröschenschlaf versunken zu sein.