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Kommunale Berichte
Jahrgang 1989
Heft 3 vom 04.11.1989
Gefährliche faschistische Formierung bei den Kommunalw…
Heft 3 vom 04.11.1989
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2026-04-12
Gefährliche faschistische Formierung bei den Kommunalwahlen
Von
ulb
Ort
Baden-Württemberg
antifa
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Klare Abgrenzung der CDU"? Die „Politik der Mitte" Die „Republikaner" konnten u.a. in Stuttgart (9,5%, 6 Sitze), Konstanz (5%, 2 Sitze), Freiburg (9,2%. 3 Sitze), Mannheim (8.8%, 4 Sitze), Heidenheim (ca. 14%) und Heidelberg (4,2%, 1 Sitz) in die Kommunalparlamente einziehen. In Villingen-Schwenningen erreichten die NPD 4,8% und drei Sitze (einen mehr als 1984) und die „Republikaner" 3,5% und 2 Sitze. Die ÖDP zog u.a. in Wangen und Freiburg (2,8%, 1 Sitz) in die Gemeinderäte. Lediglich in den Universitätsstädten war der Stimmenzuwachs für die „Republikaner" geringer als im Landesdurchschnitt. Die CDU verlor in Orten, wo die „Republikaner" nicht kandidierten, weniger drastisch. „Wer viel hat, verliert mehr", kommentierte Späth das Wahlergebnis und versuchte, Leimruten auszulegen: Die „Republikaner" hätten „beachtliche Ergebnisse erzielt, ohne daß man hätte erkennen können, mit welchen "Figuren" und welchem Konzept sie aufwarteten ... Die klare Abgrenzung der CDU von den Republikanern habe zur Folge gehabt, daß einige der Union enttäuscht den Rücken gekehrt hätten ... /Wir wollen mit den Republikanern nichts zu tun haben. Wenn die CDU mit den Republikanern etwas macht, stehe ich zur Disposition" (FAZ 25.10.89). Daß die „Republikaner" ein Konzept haben, dürfte Späth mehr als klar sein: daß seine Konzern-, Ausländer- und Sozialpolitik, mit dem schönen Wort „Versöhnungsgesellschaft" in die Zukunft fortgeschrieben, faschistische Positionen hervorgetrieben hat, auch. Klare Abgrenzung von den „Republikanern"? Wo? Vor dem Bundesverfassungsgericht mit einer Normenkontrollklage gegen das Wahlrecht für Nichtstaatsangehörige? Mit einer Konzernpolitik, die Leistungsdenken fördert und Konkurrenzdruck verschärft? Der ehemalige Generalsekretär der CDU Geißler verdeutlicht in einer Besprechung des neuen Buches „Zeitsignale" von Kurt Biedenkopf: „Für etwas merkwürdig halte ich Biedenkopfs Vorwurf, die CDU würde politische Randgruppen, etwa die Republikaner, ausgrenzen, um ihre .Macht zu erhalten’. Die CDU muß ja nicht unbedingt die Fehler wiederholen, die die SPD anfangs der achtziger Jahre gegen über den Grünen begangen hat. Richtig ist, daß ursprünglich radikale Inhalte zu Positionen der Mitte werden können. Ich habe in meiner Rede auf dem Bremer Parteitag auf den verhängnisvollen Fehler der Union Mitte der siebziger Jahre aufmerksam gemacht, Herbert Gruhl, den ersten ökologischen Bestsellerautor, aus ihren Reihen herauszudrängen ... Ich stimme ihm (Biedenkopf) zu, wenn er fordert, daß die Position der Mitte politisch-programmatisch ausgefüllt wer den muß und daß die klassischen politischen Kategorien von links und rechts heute immer weniger aussagefähig sind. Denn in der Tat steht die CDU nicht vor der Frage, sich nach rechts oder nach links zu bewegen, sondern vor der Frage, ob sie sich politisch nach vorne oder zurückentwickelt" (Spiegel vom 23.10.89). Um die ÖDP sind die „Republikaner" derzeit auch bemüht; so schreibt das ehemalige ÖDP-Mitglied Tilmann Ziegler den Programmteil „Volksgesundheit, Lebensschutz und Ökologie" (SoZ 28.9.89). ökologismus ä la Gruhl, Rassismus und völkische Ideologie sollen als „Politik der Mitte" die CDU wieder zu Kräften bringen. Der christliche Humanismus steht nicht erst seit dieser Wahl in der CDU mit dem Rücken zur Wand. Die antifaschistischen Kräfte stehen vor Ort vor der schwierigen Aufgabe, diesen Formierungsprozeß zu stören. Die Politik des Gemeinwohls als Politik der Unterordnung „partikularer" Interessen unter eine scheinbar über gesellschaftliche Vernunft (etwa „Orientierung an den ökologischen (Uber)-Lebensinteressen" (i)) zielt letztlich auf die Vernichtung der Grünen und der Interessen der gedrücktesten Teile der lohnabhängigen Bevölkerung: „ökologisches Denken beinhaltet .. auch, den Menschen den ihnen gebührenden Lebensraum zur Verfügung zu stellen und einen Ausgleich zu schaffen zwischen den Lebensräumen aller Lebewesen. Das Biotop für Stadtmenschen ist in erster Linie ihr Wohnraum und ihr Stadtviertel. Es gilt, die Lebenswelt der Stadtbewohner so zu gestalten, daß diese lebenswert ist und den Lebensraum anderer Lebewesen nicht mehr als unbedingt nötig verdrängt. Was hierbei als (notwendiger Lebensraum1 zu gelten hat, muß in der politischen Diskussion geklärt werden. Letzten Endes ist dies bei knappen Gütern weniger eine Frage von statistischen Durchschnitts oder Richtgrößen als vielmehr erstens eine Frage dessen, was als das Notwendige definiert wird und zweitens eine Frage der Verteilung der vorhandenen Ressourcen ... Die Verwaltung, die ihrem Anspruch nach das Gemeinwohl vertritt, muß in besonderem Maße dafür sorgen, daß durch neue Organisationsformen und Managementmethoden gesellschaftliche und Umweitprobleme im Interesse des gesamten Systems gelöst werden ... Gruppen-, Partei- und Ressortinteressen beherrschen allzu deutlich Denken und Handeln von Akteuren" (1). Diese Position findet sich in einem Papier der Stadt Freiburg. Linke Bündniskandidaturen erfolgreich Erfreulich ist in diesem Zusammenhangs daß bei der Kommunalwahl linke antifaschistische Bündniskandidaturen gute Ergebnisse erzielen konnten. So konnte die Linke Liste/Friedensliste in Freiburg mit 3,6% einen Sitz im Gemeinderat halten, den die Friedensliste vor fünf Jahren errungen hatte (+ 1,3%). In Stuttgart erzielten die Alternative Linke Liste 1.0% und die MLPD 0.2% (1984: DKP 0,6%. MLPD 0,2%). Die ALL in Heilbronn verlor 0.1%, und erreichte 0.5%. Die ALL in Konstanz scheiterte knapp an einem Sitz und kam auf 2,1%. Für die Weinheimer Linke Liste wurden 0,4^ der Stimmzettel abgegeben. Die in Offenburg zum ersten Mal antretende Linke Liste erreichte (bei erheblich weniger Kandidaten als möglich 0.3%. Die DKP. die an verschiedenen Orten eigene offene Listen aufstellte, konnte in Mannheim mit 3,2% (+ 0,7%) und Heidenheim ihren jeweils einen Sitz halten. In Tübingen konnte die DKP mit 4,1% (-0,6%) ihre zwei Sitze halten. Die offene Liste der DKP in Heidelberg erreichte mit 18 von 40 möglichen Kandidaten 0,4%. Die gemeinsame Kandidatur hat sich als nützlich erwiesen für den Aufbau einer Front gegen Reaktion und Faschismus, gegen die brutale Konzernpolitik und für eine Kommunalpolitik im Interesse besonders der gedrücktesten Schichten unter der lohnabhängigen Bevölkerung. Davon zeugen auch die verschiedenen Programme und Diskussionsbeiträge für die kommunalpolitischen Programme an den genannten Orten. Sie liefern viele antifaschistische Haltepunkte für die weitere Politik dieser Listen. (r) Diskussionspapier der Arbeitsgruppe Stadtentwicklung. Stadt Freiburg. September 1989,5. 13 - (ulb)
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