Heft 4 vom 20.11.1989 scan 2026-04-12

Wohnungsbaukonzept der Stadt fördert "private Interessen"

Wenig Fördermittel für sozialen Wohnungsbau / SPD zufrieden


  • Auf der Gemeinderats-Wohnraumde­batte vom 24.11.88 wurde die Stadt­verwaltungangewiesen, Konzepte für neuen Wohnungsbau auf insgesamt elf Bauflächen auszuarbeiten. Ein Jahr nahm sich die Stadtverwaltung dafür Zeit. Was sie auf der Sitzung des Technischen Ausschußes am 9. No­vember den Gemeinderatsfraktionen und der Öffentlichkeit vorlegte, liest sich wie ein fauler Kompromiß zwi­schen den Bedürfnissen der Wohnungs­suchenden und den Profitinteressen des Kapitals. Aus öffentlichen Mitteln gefördert wird demnach überwiegend nicht der Bau von Sozialwohnungen, sondern die Bautätigkeit von „priva­ten Investoren’1. Auf keinem einzigen Gelände wird es ausschließlich sozia­len Wohnungsbau geben. Zwar wollte die Stadt auf dem Gelände der Cherisy ausschließlich billigen Wohnraum er­richten, doch selbst dies wurde von CDU, FDP und FWG in der Ausschuß­sitzung gekippt. Nun ist die Stadt le­diglich angewiesen „geeignete Inves­toren” zu finden. Für alle anderen Ge­biete — abgesehen von einem neuen Wohnheim für Studentinnen westlich des Albertus-Magnus-Hauses - wollte die Stadt ohnehin nur den „verschiede­nen” oder „gehobenen Wohnbedarf" festschreiben. Im Südkurier wurde das Konzept als eine Antwort auf die Kon­stanzer Wohnungsnot gefeiert. Er be­richtete, daß in den kommenden Jah­ren 500 Millionen Mark(’) in den Woh­nungsbau investiert wird. Daß der größte Teil allerdings von Spekulanten investiert wird, wird aus den Berich­ten nicht ersichtlich. Das Konzept der Stadt zielt - wie die Förderprogram­me von Bund und Land - eher darauf ab, die Bauwirtschaft zu fördern, als die Wohnungsnot an billigem Wohnraum zu lindern. Die Sitzung war begleitet von einer unglaublichen Hetze von CDU, FDP und FWG gegen diese Linderung durch sozialen Wohnungs­bau. „Sozialer Wohnungsbau gefällt mir nicht" (FDP), „so schaffen wir soziale Getthos" (CDU), „wir sollten die privaten nicht verdammen" (FWG) - so einige Schlaglichter aus den Rede­ beiträgen der Bauunternehmer Peter Häberlein (FDP) und Willi Scheideck (CDU), sowie Ilse Ritzmann (FWG). Diese meinte: „Wer mehr arbeitet, verdient mehr und soll besser wohnen; die anderen sollen doch nicht so nei­disch sein”. Häberlein war gar dafür, Zuschüsse eher für die Aufstockung des Wohngeldes zurückzustellen, als in Förderprogramme für den Woh­nungsbau zu stecken. Das Grobkon­zept der Stadt ging mehr oder weniger glatt durch den Ausschuß - inklusiv eines Lobes der SPD-Fraktion.
  • (jüw)