Heft 4 vom 20.11.1989 scan 2026-04-12

Polizei treibt Antifaschistin in den Tod



Am Abend des 17.11. haben Knüppel­einheiten der Göttinger Polizei die 24-jährige Antifaschistin Conny auf eine Schnellstraße getrieben, sie wurde von einem Auto erfaßt und war auf der Stelle tot. Nachdem 20 faschistische Skinheads in Göttingen eine Kneipe überfallen hatten und mehrere Gäste und Passantinnen zu­sammengeschlagen hatten, versam­melte sich spontan eine Gruppe An­tifaschistinnen, um die Nazi-Schlä­ger aus der Stadt zu jagen und andere Menschen vor weiteren Überfällen zu schützen. Unter ihnen war auch Conny. Als sich die Suche nach den Faschisten begab, sperrte die Polizei bereits die Straßen ab, auf denen sich die Skinheads aus der Stadt ver­drücken wollten. Der Polizei ging es allerdings nicht nur darum, daß die Nazi-Schläger unbehelligt aus der Stadt kamen, sie wollte die Anifaschistlnnen auch gezielt angreifen. In der Nähe einer vierspurigen inner­örtlichen Schnellstraße riegelte die Polizei die Srtaßen ab und kesselte die Gruppe der Demonstrantinnen ein. Uber Polizeifunk gab ein Be­amter durch: „Wir haben sie, jetzt können wir sie platt machen." Der Gruppe gelang es, den Polizeikessel zu durchbrechen. Einen Teil der Gruppe trieb die Polizei mit Knüp­peln auf die Schnellstraße. Conny war auf der Flucht vor den Knüppel­schlägen der Polizei, als sie auf die Straße rannte. Sie wurde von einem Auto erfaßt und war sofort tot. Für uns ist der Tod der Göttinger Anti­faschistin Conny kein Zufall. Auch in Konstanz haben wir oft genug die Er­fahrung gemacht, daß es der Polizei nicht nur darum geht, Faschisten zu schützen, sondern den antifaschi­stischen Widerstand anzugreifen und gezielt zu kriminalisieren. Die Po­lizei spricht zwar von einem „Un­ glück", allerdings ist der Tod eines Menschen bei den Aktionen der Po­lizei oft genug einkalkuliert. Wer Menschen mit Knüppeln auf eine Schnellstraße treibt, wer ihnen mit Knüppeln bis zu ihrer Besinnungslo­sigkeit auf den Kopf schlägt, der muß damit rechnen, daß dabei auch einmal jemand stirbt. Dies tut die westdeutsche Polizei nahezu täglich. Wir hätten von den Vorfällen in Göttingen nie etwas erfahren, wenn dabei nicht „unglücklicherwei­se" die Antifaschistin Conny getötet worden wäre.-'(jüw)