Heft 4 vom 20.11.1989 scan 2026-04-12

Gemeinderat erweist sich Poppele-Zunft dankbar



Der Singener Fasnachtsverein „Poppele-Zunft" diente schon vielen Gemeinderäten als Sprungbrett ins Kom­munalparlament. Je lauter die Stadt­räte bzw. Stadtratskandidaten an Fas­nacht als Mitglieder der Zunft schrei­en, desto größer sind die Chancen auf einen Sitz im Gemeinderat. Für diese Schützenhilfe hat sich der Singener Gemeinderat jetzt revanchiert. Als die Zunft beschlossen hat, im Singener „Alten Dorf" eine „Zunftstube" zu bauen, damit sie ihre Biergesänge auch außerhalb der Fasnacht unge­stört abhalten können, hat die Stadt sich bereiterklärt der Zunft ein pas­sendes Haus auf Erbrecht zu vermachen. Daß dabei eine mehrköpfige Familie aus dem Haus rausgeschmis­sen wird und nun in ein städtisches Loch in der Singener Südstadt ziehen muß, ist der Stadt egal, schließlich handele es sich bei der Familie „nur" um solche, die sowieso auf Sozialhilfe angewiesen seien. In seiner letzten Sitzung hat der Gemeinderat bei nur zwei Enthaltungen jetzt auch noch bechlossen, den Bau der Zunftstube mit 240000 DM zu bezuschussen. Be­gründet wurde dieser Zuschuß damit, daß die Stadt laut Beschluß bei jedem Verein, der ein Vereinsheim baut 40% der Gesamtkosten trägt. Demnach ko­stet die Renovierung des Hauses über eine halbe Million DM, was einen Rückschluß auf den Zustand der städ­tischen Gebäude zuläßt. - (akl)