Heft 4 vom 20.11.1989 scan 2026-04-12

CTM-Grundstück: Staadt verzichtet auf Vorkaufsrecht



Wer glaubt, in Sachen Wirtschaftsför­derungsskandale gebe es für die Stadt Konstanz noch so etwas wie eine Schamgrenze sieht sich wieder einmal getäuscht: 1984 hatte sie dem Compu­terhersteller CTM ein 40000 Quadrat­meter großes städtisches Grundstück mit einem Preisnachlaß von 50% ange­dient. Inzwischen hat die Firma den Besitzer gewechselt, das neue Management rationalisiert nicht nur, es verzichtet auch auf Grundstück samt inzwischen darauf errichtetem Ge­bäude. Die AEG - sie expandiert, die Kassen sind voll - zeigt Interesse an dem Areal. Eine gute Gelegenheit für die Stadt, die sich vor fünf Jahren für einen solchen Fall immerhin das Vorkaufsrecht gesichtert hatte, um über die inzwischen drastisch gestiegenen Baupreise Geld in den chronisch un­terdeckten Haushalt zu bekommen. Stadt und Finanzausschuß denken je­doch nicht daran: Sie votieren dafür, auf das Vorkaufsrecht zu verzichten und das Grundstück der AEG zum glei­chen Preis wie 1984 zu überlassen. Wo kämen wir denn hin, wenn in dieser Stadt die Kapitalisten zur Kasse gebeten würden, solange die werktätige Bevölkerung ausgeplündert werden kann. - (jüg)