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Kommunale Berichte
Jahrgang 1989
Heft 4 vom 20.11.1989
Atombomben für Südafrika
Heft 4 vom 20.11.1989
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2026-04-12
Atombomben für Südafrika
BRD transferiert Atom-Know-How nach Südafrika
Von
anw, tv
Ort
Karlsruhe
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„Heute wird das letzte Mal sein, daß ich zu diesem Thema etwas sagen werde". Mit diesen Worten leitete der Karlsruher Solarphysiker Gerhard Ecker seinen Vortrag Uber die atomare Zusammenarbeit zwischen der BRD und dem Rassistenregime Südafrikas ein. Damit Überraschte er freilich auch die etwa 25 Zuhörerinnen, die am 9.11. dem gemeinsamen Aufruf der Initiative gegen Atomanlagen und der Südafrika-Initiative gefolgt waren, um sich im „Hotel Graf Zeppelin" Uber ein in der BRD weithin verdrängtes Thema zu informieren. Die übermächtige Allianz zwischen der HERRschenden Politik, Atomlobby und bürgerlichen Massenmedien hat dem lange Jahre in der Anti-AKW-Bewegung engagierten Ecker die Lust am Weiterkämpfen genommen. Hinzu kamen Enttäuschungen im persönlichen Bereich. Ehemals kritisch eingestellte Kolleginnen, die zusammen mit dem Referenten in der Anfang der 80er Jahre gegründeten Initiative „Naturwissenschaftler in der Verantwortung für den Frieden" organisiert waren, sind inzwischen von der Atomindustrie - insbesondere vom Kernforschungszentrum Karlsruhe - aufgesogen worden. Der kritische Anspruch, den sie früher einmal hatten, blieb dabei auf der Strecke. So war es auch nicht weiter verwunderlich, daß das Referat Eckers relativ glanzlos blieb, da seine Resignation jederzeit spürbar war. Trotzdem lieferte es auch interessante Informationen, die es unbedingt wert sind, veröffentlicht zu werden. Die BRD kann es sich zwar politisch noch nicht leisten, den faktischen Besitz von Atomwaffen zuzugeben, weil internationale Verträge ihr das verbieten, doch die Realität sieht anders aus. Technologie für Atomwaffen - made in Germany - werden in Länder mit rassistischen und diktatorischen Regimes in der Dritten Welt exportiert, z.B. nach Argentinien, Brasilien, Südafrika, Pakistan etc. Der Technologietransfer versetzt diese Länder in die Lage, eigene Atomwaffen samt Trägersystem herzustellen. Doch nun zurück zu Südafrika: Das rassistische Terrorregime der weißen Südafrikaner erhielt aus der BRD das waffenfähige Trenndüsenverfahren (entwickelt vom Kernforschungszentrum Karlsruhe) zur Urananreicherung. Schon im April 1971 verfügte Südafrika Uber die Mittel, Atomwaffen herzustellen. Dank weiterer Lieferungen von Anlagenteilen aus der BRD konnte 1975 eine Südafrikanische Anreicherungsfabrik in Palindaba bei Pretoria ihren Betrieb aufnehmen. Parallel dazu wurden im Kernforschungszentrum Karlsruhe die rassistischen Atomforscher aus Südafrika ausgebildet. Am 22.9.1979 war es dann soweit: In der Nähe des südafrikanischen Prince-Edwards-Archipels im südlichen indischen Ozean zündete Südafrika seine erste Atombombe. Südafrika ist damit Atomwaffenmacht nicht nur dank des Kernforschungszentrums Karlsruhe, sondern auch durch Mithilfe westdeutscher Konzerne wie z.B. der Atomfirma STEAG in Essen. Heute baut Südafrika die Saint-Marion-Insel zu einem Atomwaffentestgelände aus. Sicherlich floriert das Atomgeschäft der westdeutschen Atomindustrie mit Südafrika aus mehreren Gründen so gut. Erstens machen viele BRD-Konzerne gute Geschäfte mit dem Aparthcidrogim«», und zweitens liefert Südafrika 60% des BRD-Uranbedarfs. Was Gerhard Ecker leider verschwieg, ist, daß Südafrika seine Atomwaffen gegen die Befreiungsbewegungen der Schwarzen und gegen die afrikanischen Frontstaaten, die einen antirassistischen Kampf führen, einsetzen könnte. Wer das alles nicht glaubt, verweist häufig auf den Atom- und chemiewaffenverzicht von 1954 und den Atomsperrvertrag von 1968. Beide Abkommen beinhalten jedoch lediglich einen kompletten Verzicht auf die Produktion von Atomwaffen auf dem BRD-Territorium. Nicht verboten dagegen ist den westdeutschen Imperialisten die komplette Erzeugung von Atomsprengköpfen im Ausland. - (anw/tv)
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