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Kommunale Berichte
Jahrgang 1989
Heft 5 vom 04.12.1989
Volkstrauertag 1989 in Mannheim
Heft 5 vom 04.12.1989
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2026-04-12
Volkstrauertag 1989 in Mannheim
Heldengedenkfeuer fand nicht statt / die Stadt muss sich entgültig erklären
Von
tht
Ort
Mannheim
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Die diesjährige Hauptveranstaltung des „Volksbundes Deutsche KriegsgräberfUrsorge" (VDK) auf dem Mannheimer Hauptfriedhof fiel ins Wasser. „Die Toten bleiben unbeweint", kündigte der Mannheimer Morgen (16.11.) das Nichtbevorstehen des jährlichen Ereignisses an. „Erstmals in der Nachkriegszeit wird in diesem Jahr die Feier zum Volkstrauertag auf dem Hauptfriedhof ausfallen. ... Es ist ein offenes Geheimnis, daß es in den letzten Jahren am Rande der Feiern auf dem Hauptfriedhof auch zu Demonstrationen kam. Es wurde die Anwesenheit von Bundeswehrsoldaten kritisiert und gleichzeitig bemängelt, daß das Thema Deserteure totgeschwiegen werde." Die Begründung der Stadt Mannheim für das Nichtstattfinden der Feierstunde auf dem Hauptfriedhof am Soldatenehrenmal aus dem Jahr 1938 ist bisher eher fadenscheinig: Der Vorsitzende VDK in Mannheim habe am 10.10.89 sein Amt niedergelegt - aus gesundheitlichen Gründen. Es war dies der Tag, an dem die Stadt Mannheim an den VDK-Ortsvorsitzenden „das Ansinnen herangetragen (habe), die Form der Feier zu ändern" (MM). Der Vorsitzende habe sich nicht mehr in der Lage gesehen, in der Kürze der Zeit diese Änderung durchzuführen. Sein Stellvertreter (ein SPD-Stadtrat) hatte offensichtlich auch keine Ambitionen, den Job zu übernehmen. Die Ausgestaltung des Volkstrauertages obliegt dem VDK; die Städte und Gemeinden sollen die Feiern des „Volksbundes" unterstützen. Dies geht auf eine Empfehlung des Bundesinnenministers an die Länderregierungen aus dem Jahr 1952 zurück. Warum hat die Stadt Mannheim in diesem Jahr dem „Volksbund" in all seiner Not nicht die nötige Unterstützung zuteilwerden lassen, um die Veranstaltung zu retten? Warum konnte die Ehrenkompanie des Fernmeldebataillons der Bundeswehr nicht die Bajonette auf dem Friedhof präsentieren, und das Polizeimusikkorps nicht wie jedes Jahr den „Treuen Kameraden" samt Deutschlandlied blasen? Dies ist mit Sicherheit Ergebnis des seit drei Jahren zunehmenden Drucks auf die Stadt. 1987 und 1988 hatten auf Initiative der DFG/VK jeweils ca. 50 Leute neben den offiziellen Kränzen auch einen Kranz für die „vergessenen deutschen Deserteure" niedergelegt. Das versuchten anwesende Reaktionäre beim erstemal erfolglos durch tätliche Angriffe zu verhindern; im letzten Jahr war dann Zivilpolizei zur Stelle, um Personalien zu erheben und 15 Bußgeldverfahren wegen „Verletzung der Friedhofsordnung" einzuleiten. Die „Mannheimer Liste" (Freie Wähler) setzte nach und brachte einen Antrag im Gemeinderat ein: „Die Stadtverwaltung stellt Überlegungen an, wie künftig die massiven Störungen der alljährlichen Feierstunden zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt am Volkstrauertag auf dem Hauptfriedhof verhindert werden." Darüber beriet der Hauptausschuß im März 1989 und kam zu dem Ergebnis: „Die Stadtverwaltung will Form und Inhalt der traditionellen Totengedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem Hauptfriedhof neu überdenken." Dieses Nachdenken wurde sicherlich unterstützt durch einige Öffentlichkeitsarbeit von DFG/VK und Volksfront. Zuletzt, kurz vor dem diesjährigen Volkstrauertag, ging dann ein Offener Brief an den OB, des sen Forderungsteil im Kasten abgedruckt ist, und der von einem breiten Spektrum unterstütz wird. Mit dem Nicht-Stattfinden der militaristischen VDK-Feierstunde auf dem Hauptfriedhof ist die Sache jedoch gewiß nicht ausgestanden. Schon im Vorab hielt sich die Reaktion sozusagen schadlos, indem ein öffentlicher Zapfenstreich vor dem Mannheimer Schloß im Beisein des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts abgezogen wurde; eine eilige Gegenmobilisierung gelang nur dürftig Über eine Telefonkette. Und im Januar soll ein über vier Tage (!) angesetzes Bußgeldverfahren gegen zwei der Betroffenen stattfinden. Eine definitive Äußerung der Stadt Mannheim, wie sie es künftig mit dem Volkstrauertag-Militärspektakel halten möchte, steht indes no^ aus. Das beste wäre zweifellos, c^| Stadt würde sich der Gedenkfeier an schließen, die seit 1986 von DGB, VVN und SPD sowie zahlreichen Unterstützern am KZ-Ehrenmal jeweils am „Totensonntag" (eine Woche nach dem Volkstrauertag) durchgeführt wird. - (tht) In der Tradition des Heldengedenktages 1919: Der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge11 wird am 16.12. 1919 von militaristischen 1.Weltkriegsverbänden gegründet. Unter den Gründungsmitgliedern: Theodor Heuß, Dr. S.E.Eulen; Vorsitzender und Schriftführer: zwei Oberste; Schatz meister: ein Commerzbank-Direktor; im Verwaltungsrat: zehn Militärs, darunter Generalfeldmarschall von Hindenburg; neun Politiker, darunt^^ der OB von Köln, Konrad Adenauer; 12 Bankiers, 22 Kleriker, ein Fürst, ein Rittergutsbesitzer, diverse Künstler. „Deutschland!'* „... Und das ... soll1 der Volkstrauertag: Symbol sein und werden für ihren Geist, in dem sie auszogen in unendlicher Begeisterung, indem sie kämpften wie die Löwen, litten wie die Märtyrer, starben wie die Helden für das eine große Ziel .Deutschland, Deutschland über alles. über alles in der Welt!"' (Siems, Präsident des VDK 1926, anläßlich des ersten offiziellen Volkstrauertages) Der Bundeskanzler anläßlich des 70. Jahrestages des VDK: „Aber niemand von uns hat das Recht, Entscheidungen zu treffen, die unsere Sicherheit, Frieden und Freiheit sowie die Solidarität des westlichen Bündnisses aufs Spiel setzen könnten. Vielleicht überrascht es manchen, daß ich diese Aspekte heute - in dieser Feierstunde - anspreche. Aber ich bin überzeugt: Auch dies sind Botschaften, die von den Soldatengräbern ausgehen."
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