Heft 6 vom 18.12.1989 scan 2026-04-12

Eugenik - gesellschaftsfähig



Am 13.12. fand im Rahmen der Reihe „Gesellschaftsfragen zu Gen- und Re­protechnik" eine Veranstaltung zur „Eugenik" statt. Eingeladen war Franz christoph, Mitbegründerder Krüppel­bewegung. „Behinderung ist schlim­mer als der Strahlentod", ein Satz der nach Tschernoby öfters fiel, macht die Verachtung der „Normalen" ge­genüber Behinderten deutlich. Scharf kritisierte christoph die Gentechno­logiekritikerinnen, die im Rahmen der Genforschung von einer „neuen Ethik" sprechen. Die Kontinuität der behin­dertenfeindlichen Propaganda ist groß: So ist es nach den Euthanasie­programmen des deutschen Faschismus Moralphilosophen und Genfor­schern heute wieder möglich, von wertvollem (d.h. leistungsfähigem) und „wertlosem" Leben zu sprechen. Anwesend waren auch die Professoren Knippers und Pohl, die Verantwortli­chen für das 18-Millionen Projekt „Bioinformatikzentrum" im Rahmen des Biofachbereiches. Dr. Fritz Pohl ist in Fachkreisen bekannt für seine Mitarbeit an dem Papier „Ad hoc- Kommission zur Genforschung". In dem Papier wird den Politikerinnen empfohlen, die Akzeptanz in der Be­völkerung für Gen-/Reprotechnologien zu erhöhen, der Forschung ande­rerseits die Konzentration auf das Humangen angeraten. - (ans)