Heft 6 vom 18.12.1989 scan 2026-04-12

Besetzung der Leiter/innenstelle des Jugendzentrums Schlupfwinkel verschoben

Forderung des JuZe bei der Ausschreibung nicht berücksichtigt


„Der Jugendwohlfahrtausschuß kam zu dem Schluß, daß heute keine Entscheidung über die Besetzung der Leiter/innen-Stelle für das Jugend­zentrum Schlupfwinkel möglich ist. Er wird in seiner nächsten Sitzung über ein Gesamtkonzept für das Jugend­zentrum beraten. Ferner hat er noch über die Kindergartensituation ..." Aus diesen Worten von Bürgermeister Hansen (CDU) bestand mehr oder we­niger der öffentliche Teil der Sitzung des Jugendwohlfahrtausschußes (JWA) des Konstanzer Gemeinderats am 5. Dezember. Die Öffentlichkeit (Presse, Hauptamtlichenteam des Ju- ze und ca. 30 Juze-Besucherlnnen) wurde zu Beginn der eigentlich öffentlichen Sitzung auf Antrag von /jäD-Gemeinderat Herbert Weber „für \^1inuten" ausgeschlossen. Aus den fünf wurden 45 Minuten, während denen die Öffentlichkeit frierend im Treppenhaus des Rathauses darauf wartete, gnädigerweise wieder einge­lassen zu werden. Die zu besetzende Leiter/innen- Stelle ist seit Sommer diesen Jahres nicht besetzt. Bisher war es üblich, daß das vierköpfige Hauptamtlichen­ team aus zwei Frauen und zwei Män­nern besteht. Die drei Hauptamtli­chen forderten schon im Sommer, die Stelle mit einer Frau zu besetzen, die Erfahrung im Bereich Mädchen- und Frauenarbeit hat. Die Stadtverwal­tung schrieb die Stelle aber sowohl für Frauen als auch für Männer aus, ohne den geforderten Schwerpunkt (Frau­ en’ zu erwähnen. Das Personalamt der Stadt trifft unter den Bewerberinnen, die sich dann dem JWA vorstellen, ei- '‘ÄVorauswahl. Diese Bewerberinnen sSlen sich dann vor der Sitzung des JWA, der schlußendlich über die Be­ setzung der Stelle entscheidet, dem Jugendrat des Juze vor. Der Jugendrat gibt dann eine Empfehlung ab, welche/n Bewerberin er gerne hätte. Der Vorschlag des Personalamtes be­stand aus drei Männern! Die Frauen­ gruppe und der Jugendrat formulier­ten daraufhin ihre Forderung nach einer Frau in einem Brief an die Ge­meinderatsfraktionen und an andere betzeiligte Stellen. Nachdem auch von Seiten des Haupramtlichenteams Protest angemeldet wurde, wurde die Vorschlagsliste um eine Frau erweitert. Das Ergebnis der Vorstellungs­runde vor dem Jugendrat war, daß ein Bewerber seine Bewerbung zurückzog (er fand das Verhalten der Stadtver­waltung gegenüber den Juze-Besu­cherlnnen mehr als skandalös). Die kurzfristig noch eingeladene Frau war ebenso wie der zweite Bewerber (der dritte war nicht erschienen) für die Stelle ungeeignet. Dieses Ergebnis wurde vom Jugendrat in einer schrift­lichen erklärung festgehalten, das zu Beginn der JWA-Sitzung verteilt wur­de: „(...) Der Jugendrat muß daher feststellen, daß er keine realistische Auswahlmöglichkeit hatte. Deshalb ist aus unserer Sicht eine Neuaus­schreibung dringend notwendig. We­sentlicher Inhalt dieser Neuausschrei­bung muß die Frauen- und Mädchenar­ beit sein. (...)" Enttäuschend war wieder einmal das Verhalten der SPD und der FGL, die im ganzen Kommunalwahlkampf das Wort "Frauen" auf den Lippen führten. Sie versuchten im Vorfeld nicht einmal zu erfahren, welche Wünsche der Jugendrat und/oder das Hauptamtlichenteam haben. CDU, FWG, FDP und die städtischen Stellen wollen langfristig das Juze in seiner jetzigen Form zerstören. Aus einem (Frei-)Raum für „Randgruppen" und einem Ort emanzipativer und auch feministischer Jugendarbeit soll ein sauberes Jugendhaus werden. Dies ist die Bedrohung, die in dem von Hansen angekündigten neuen „Gesamtkon­zept" steckt. - (beh)