Besetzung der Leiter/innenstelle des Jugendzentrums Schlupfwinkel verschoben
„Der Jugendwohlfahrtausschuß kam zu dem Schluß, daß heute keine Entscheidung über die Besetzung der Leiter/innen-Stelle für das Jugendzentrum Schlupfwinkel möglich ist. Er wird in seiner nächsten Sitzung über ein Gesamtkonzept für das Jugendzentrum beraten. Ferner hat er noch über die Kindergartensituation ..." Aus diesen Worten von Bürgermeister Hansen (CDU) bestand mehr oder weniger der öffentliche Teil der Sitzung des Jugendwohlfahrtausschußes (JWA) des Konstanzer Gemeinderats am 5. Dezember. Die Öffentlichkeit (Presse, Hauptamtlichenteam des Ju- ze und ca. 30 Juze-Besucherlnnen) wurde zu Beginn der eigentlich öffentlichen Sitzung auf Antrag von /jäD-Gemeinderat Herbert Weber „für \^1inuten" ausgeschlossen. Aus den fünf wurden 45 Minuten, während denen die Öffentlichkeit frierend im Treppenhaus des Rathauses darauf wartete, gnädigerweise wieder eingelassen zu werden. Die zu besetzende Leiter/innen- Stelle ist seit Sommer diesen Jahres nicht besetzt. Bisher war es üblich, daß das vierköpfige Hauptamtlichen team aus zwei Frauen und zwei Männern besteht. Die drei Hauptamtlichen forderten schon im Sommer, die Stelle mit einer Frau zu besetzen, die Erfahrung im Bereich Mädchen- und Frauenarbeit hat. Die Stadtverwaltung schrieb die Stelle aber sowohl für Frauen als auch für Männer aus, ohne den geforderten Schwerpunkt (Frau en’ zu erwähnen. Das Personalamt der Stadt trifft unter den Bewerberinnen, die sich dann dem JWA vorstellen, ei- '‘ÄVorauswahl. Diese Bewerberinnen sSlen sich dann vor der Sitzung des JWA, der schlußendlich über die Be setzung der Stelle entscheidet, dem Jugendrat des Juze vor. Der Jugendrat gibt dann eine Empfehlung ab, welche/n Bewerberin er gerne hätte. Der Vorschlag des Personalamtes bestand aus drei Männern! Die Frauen gruppe und der Jugendrat formulierten daraufhin ihre Forderung nach einer Frau in einem Brief an die Gemeinderatsfraktionen und an andere betzeiligte Stellen. Nachdem auch von Seiten des Haupramtlichenteams Protest angemeldet wurde, wurde die Vorschlagsliste um eine Frau erweitert. Das Ergebnis der Vorstellungsrunde vor dem Jugendrat war, daß ein Bewerber seine Bewerbung zurückzog (er fand das Verhalten der Stadtverwaltung gegenüber den Juze-Besucherlnnen mehr als skandalös). Die kurzfristig noch eingeladene Frau war ebenso wie der zweite Bewerber (der dritte war nicht erschienen) für die Stelle ungeeignet. Dieses Ergebnis wurde vom Jugendrat in einer schriftlichen erklärung festgehalten, das zu Beginn der JWA-Sitzung verteilt wurde: „(...) Der Jugendrat muß daher feststellen, daß er keine realistische Auswahlmöglichkeit hatte. Deshalb ist aus unserer Sicht eine Neuausschreibung dringend notwendig. Wesentlicher Inhalt dieser Neuausschreibung muß die Frauen- und Mädchenar beit sein. (...)" Enttäuschend war wieder einmal das Verhalten der SPD und der FGL, die im ganzen Kommunalwahlkampf das Wort "Frauen" auf den Lippen führten. Sie versuchten im Vorfeld nicht einmal zu erfahren, welche Wünsche der Jugendrat und/oder das Hauptamtlichenteam haben. CDU, FWG, FDP und die städtischen Stellen wollen langfristig das Juze in seiner jetzigen Form zerstören. Aus einem (Frei-)Raum für „Randgruppen" und einem Ort emanzipativer und auch feministischer Jugendarbeit soll ein sauberes Jugendhaus werden. Dies ist die Bedrohung, die in dem von Hansen angekündigten neuen „Gesamtkonzept" steckt. - (beh)