Nie wieder Großdeutschland Nie wieder Faschismus und Krieg
Unter diesem Titel wurde auf der Demonstration „Gegen Faschismus, Rassismus und Sexismus" am 5.12. in Freibürg ein gemeinsames Flugblatt von Antifagruppe Freiburg, BWK, DKP, MLPD und Volksfront verteilt, das wir nachfolgend abdrucken: Das Deutsche Reich ist 1945 untergegangen. Die Anti-Hitler-Koalition hat »den Faschismus besiegt, das Deutsche Reich militärisch bezwungen, die ehemaligen östlichen Gebiete unter die Souveränität Polens und der Sowjetunion gestellt und die Wiedererrichtung der CSR und Österreichs erzwungen. Auf dem restlichen Territorium entstanden zwei Staaten, die Deutsche Demokratische Republik und die BRD. Seit Existenz der BRD versuchen die reaktionären Kräfte diese wichtigen Ergebnisse des 2. Weltkrieges umzukehren, zu revidieren. Die Versuche der Rehabilitierung des Faschismus sind über all die Jahrzehnte nicht abgerissen, nehmen eher zu und haben zur Parteietablierung der ,Republikaner' geführt. Nun wollen Reaktionäre und Faschisten mit dem 9. November 1989 ein Datum markieren, wo der Widerstand gegen die erneute Errichtung eines großdeutschen Reiches gebrochen ist. Haben sie recht? - Wir meinen, NEIN! Was jetzt auf den Straßen in Westberlin und in der Bundesrepublik stattfindet, ist keine deutsch-nationale Siegesfeier, wie die Springerpresse glauben machen will. Was stattfindet, ist offener Reiseverkehr, vielleicht für viele ein Volksfest. Das hatte sich Kohl anders vorgestellt, als er zur Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus in Westberlin einflog. Die Opposition in der DDR will sich für eine Wiedervereinigung nicht vereinnahmen lassen. Diese Entwicklung ist für die antifaschistische Bewegung in der BRD und Westberlin alles andere
- als bedrükkend. Sie ermutigt uns, daran festzuhalten, daß die Antwort auf die sogenannte (deutsche Frage’ das Nebeneinander von verschiedenen Staaten ist. Wir treten daher ein für die
- völkerrechtliche Anerkennung der DDR, für die Anerkennung der Staatsbürgerschaft der DDR
- für Anerkennung der sowjetischen und polnischen Grenzen. Die westdeutsche Wirtschaft und ihre Politiker preisen die Marktwirtschaft als glorreiches Endziel menschlicher Geschichte und wollen sie der Bevölkerung der DDR aufzwingen. Was hat uns diese (Soziale Marktwirtschaft1 gebracht?
- Zwei Weltkriege, vom deutschen Imperialismus vom Zaum gebrochen, Millionen Tote, Vernichtung in den KZs;
- 6 Millionen Menschen müssen von Sozialhilfe leben, das sind 10% der Bevölkerung;
- Lohnabbau und Flexibilisierung der Arbeit; die Menschen sollen vollständig zu Anhängseln der Maschine gemacht werden, rund um die Uhr, samstags und sonntags, soweit wie möglich rechtlos;
- Millionen Menschen sind ohne Arbeit. Diese Segnungen sollen nun auch der DDR zuteil werden, wenn es nach dem Willen von Siemens, Thyssen, Deutscher Bank usw. geht. Verschiedene Politiker fordern die Erhebung einer ,nationalen Sondersteuer' und aus Anlaß sog. ,nationaler Aufgaben1 den Verzicht auf berechtigte Forderungen. Sog. (nationale Aufgaben’ können uns nicht hindern, den Kampf für erträgliche Wohnbedingungen, bezahlbare Mieten, für menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen fortzusetzen. Wir wollen die HBV ermutigen, ihren Kampf gegen die Aufhebung des Ladenschlusses fortzuführen, trotz des augenblicklich starken Drucks der Kaufhauskonzerne. Wir unterstützen die Forderungen der IG-Metall-Kollegen nach Lohnerhöhung sowie der sofortigen Einführung der 35-Stundenwoche bei vollem Lohn. Hintergrund der Angriffe auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen ist das Ziel des BRD-lmperialismus, Nummer 1 in Europa einschließlich der osteuropäischen Staaten zu werden. Dieser Großmachtkurs bedeutet eine gefährliche Neuordnung Europas. Deshalb:
- Kampf gegen die Europa- und Großdeutschlandpläne des BRD-Imperialismus! Um diesen Plänen einen Boden zu bereiten, wird seit Jahren eine Verschärfung der Ausländer- und Asylgesetzgebung betrieben. Dieselben Leute, die dafür verantwortlich sind, entdecken nun ihr Herz für die ,Brüder und Schwestern’ aus der DDR. Es trieft bei ihnen aus allen Ecken und Enden vor (Mitmenschlichkeit1. Von wegen Solidarität! Auch die Übersiedler, das erweist sich schon jetzt, sind für Reaktionäre und Faschisten aller Art nichts als Manövriermasse ihres westdeutschen Großmachtchauvinismus. Ein ausgeklügeltes System tatsächlicher und scheinbarer Bevorzugung der Übersiedler zielt darauf ab, in Deutsche und Ausländer zu spalten. Andererseits werden die Übersiedler die Erfahrung machen, daß auch sie sich dem Nutzen der Konzerne zu unterwerfen haben. Der Spaltung dient auch eine Vielzahl von Sondergesetzen und diskriminierenden Bestimmungen für nicht deutsche Einwohner. Diese sind damit besonderen Schikanen ausgesetzt und werden in ihren Widerstandsmöglichkeiten in besonderer Weise unterdrückt. Dem dient auch die Kampagne von CDU und sog. (Republikanern1 gegen die Einführung des kommunalen Wahlrechts für die nichtdeutsche Wohnbevölkerung.
- Wir treten ein für die Aufhebung der Sondergesetze gegen die nichtdeutsche Bevölkerung!
- Wir sind für das sofortige kommunale Wahlrecht als ersten Schritt zum allgemeinen Wahlrecht!
- Wir fordern das uneingeschränkte Asylrecht Die Herrschenden hierzulande bereiten sich auf breiten Widerstand der Bevölkerung vor. Dazu werden Antifaschisten kriminalisiert. Strafver fahren nach §i29a StGB wie z.B. der Schauprozeß gegen die kurdische Volksgruppe in Düsseldorf sollen abschrecken. Während Volksproteste in der DDR bejubelt werden, soll hier Ruhe herrschen. Deshalb fordern wir:
- ein allseitiges und gesetzliches Streikrecht!
- die Verteidigung und Erweiterung bürgerlich-demokratischer Rechte!