Das Geheimnis der Uni-Misere und seine Lösung
Die Wissenschaft - die Staatsreligion des 20. Jahrhunderts Die Wissenschaft, die seit etwa wo Jahren zur „Produktivkraft" wurde. war von Anfang an das Produkt der Trennung von Hand- und Kopfarbeit und der Unterordnung des Manuellen unter das Diktat „rationaler Planung". Schon das Humboldtsche ßildungsideal hatte deshalb mit allseitiger Entfaltung der menschlichen Fähigkeiten nichts zu tun. Es war die Ideologie des aufsteigenden Bürgertums, das damit seinen Herrschaftsanspruch gegenüber dem Feudaladel und den vom ZuÄpg zum Olymp des Wissens ausge^hlossenen Massen legitimierte. Die Anwendung dieser Wissenschaft hat uns genau die „Menschheitsprobleme“ beschert, als deren Lösung sie sich heute in der Ideologie der links-alternativen Mittelständler ausgibt. Das. was die Gewaltförmigkeit instrumenteller Rationalität ausmacht - die doppelte Abstraktion von Erkenntnissubjekt (Postulat der Wertfreiheit) und Erkenntnisobjekt (Unterwerfung des Konkreten unter den Mlgemeinbegriff) - ist gleichzeitig reale Basis für den Mythos, Wissenschaft sei neutrale Produktivkraft, die in den Dienst schlechter oder guter politischer Zwecke gestellt werden könne. So bereicherte die Hochschul-Linke die HERRschende Wissenschaft um siamesische Zwillinge: 'Ärgerliche und marxistische patriarchalische und feministische unverantwortliche und verantwortliche Variante der selben Scheiße. Wir wissen genau, daß wir von der institutionalisierten Wissenschaftskritik nichts erwarten können. Die Illusion eines Eigenanteils am so strukturierten Wissen schafft die vollständige Blindheit gegenüber dem tatsächlichen Eigenanteil an der Aufrechterhaltung des HERRschaftssystems. Die Verdoppelung der Wissenschaftsmaschine durch geisteswissenschaftlichen Pfaffensegen - es gibt bessere Witze. Die Ethik-Kommissionen soll der Teufel holen! Die Studis - unbewegt und nützlich Studis gibts zuviel. Da ein Großteil der heute Studierenden während oder nach dem Studium rausselektiert wird, wird gar nicht mehr gefragt, was sie da als Kopfarbeiter tun. Dabei sein ist alles. Ihre Vertreter fordern „Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung". D.h. sie wollen ihren Herren in spe beweisen, wie nützlich sie sind: sie machen Vorschläge, wie der Würgegriff der Wissenschaft am besten auf vom Kapital noch nicht ausreichend bearbeitete Bereiche der Gesellschaft auszudehnen ist. Und: sie bekunden ihre Bereitschaft zum „Wissensdienst an der deutschen Volksgemeinschaft". Denn: nur „alle gemeinsam" könnten die „Menschheitsprobleme" lösen. Weil: vor dem Sensenmann sind alle gleich. So verteidigen sie auf blamabelste Weise ihre bornierten Standesinteressen. Die sog. unpolitischen Studis haben ihren Vertretern immerhin das voraus, daß sie solche Ideologie nicht brauchen, um sich besser gleich ins Getümmel zu stürzen. Das individuelle Kalkül des kleineren Übels kann nur dann gebrochen werden, wenn die Illusion einer „nützlichen" Wissenschaft zerstört ist und die zum Himmel stinkende Erbärmlichkeit der entfremdeten Kopfarbeiter-Tätigkeit endlich gerochen wird. Das würde den Weg frei machen, der Misere des Studi-Alltags heute etwas entgegenzusetzen. - (stf)