Heft 1 vom 15.01.1990 2/1 scan 2026-05-10

Zentrale Abschiebestelle arbeitet auf Hochtouren



  • Zentrale Abschiebestelle arbeitet auf Hochtouren Seit der Einrichtung der zentralen Abschiebestelle (ZAST) in Stuttgart im Juli 89 wurden in Ulm 3 Fälle bekannt, bei denen Asylsuchende auf brutale Weise außer Landes geschafft wurden. In allen Fällen handelte die Polizei auf Anordnung der ZAST, immer waren Kranke betroffen und immer waren die Abschiebungsaktionen rechtswidrig. Ende November wurde ein abgelehnter Asylbewerber aus Tunesien abgeschoben. Er war in ärztlicher Behandlung und hatte deshalb eine Petition beim Landtag eingereicht. Trotz der aufschiebenden Wirkung einer Petition wurde die Ausweisung vollzogen. Im November kam eine polnische Familie abends um 22 Uhr in Abschiebehaft. Die Tochter, die bettlägrig Xund nicht reisefähig war, mußte mit in die Gefängniszelle. Die Abschiebung kam für die Familie völlig überraschend und wurde überfallartig durchgeführt. In Unterkirchberg kamen 7 Polizisten ebenfalls um 22 Uhr, um eine 3köpfige polnische Familie abzuholen
  • 5 Tage vor der Fristsetzung zur Ausreise. Bei der Verhaftung erlitt der beinamputierte Vater eine Herzattacke und mußte in die Klinik gebracht werden. Mutter und Kind kamen in die Zelle. Sie wurden am nächsten Tag ausgeflogen. Sie durften den Vater nicht besuchen, auch keinen Rechtsanwalt benachrichtigen. Der Familie wurden rzoo DM abgenommen „zur Abschiebekostenbeteiligung". In Unterkirchberg sammeln Betreuer, Bürger und Schulfreunde Geld für die Familie. In den Kirchen lagen über '.Weihnachten Unterschriftslisten aus ''für eine Petition an den Landtag. Mit ihr soll eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für die Familie erreicht werden. Ministerpräsident Späth wird um eine Geste der Wiedergutmachung gebeten. Die ZAST gibt keine Auskünfte mehr über den Fall. Der SPD-Landtagsabgeordnete Lorenz hat eine Anfrage beim Petitionsausschuß eingebracht zur Überprüfung aller duJchgeführten Abschiebungsverfahren gegen polnische Asylbewerber. - (elr)

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