Heft 2 vom 29.01.1990 2/2 scan 2026-05-10

Lörrach: Polizei und Presse gegen Antifaschistinnen



  • Lörrach Mit Knüppeleinsatz, Würgegriffen, mehreren verletzten Demonstrantinnen und drei Festnahmen endete am 3. Dezember 1989 eine Demonstration in Lörrach zum Mord an der Göttinger Antifaschistin Conny W. in einer darauf folgenden, beispiellosen Pressekampagne versuchte die Polizei die Lörracher Antifa-Gruppe zu diffamieren und zu kriminalisieren. Sich selbst stellte sie sich als kulante Behörde dar. die - in Absprache mit der Stadt - die nichtangemeldete und somit „rechtswidrige" Demo anfangs duldete. Die weniger populären Maßnahmen. wie der Einsatz von Knüppeln und das Vorgehen gegen Demonstrantinnen mit Würgegriff, stritt die I o izei vehement ab. Die bürgerlnnenliehe Presse vertrat in ihrer Berichterstattung ausschließlich die realitätsfremde Darstellung der Polizei, obwohl ihr die Antifa-Gruppe mitteilte, es seien Fotos vorhanden, die den Einsatz von Knüppeln und Würgegriff belegten. „Schlagstöcke und Schutzschilder hatte die Polizei, so ihr Einsatzleiter, zwar im Einsatzwagen mitgeführt, sie seien aber nicht, wie von der Antifa in ihrer Presseerklärung behauptet, eingesetzt worden. Die Einsatzleitung kann auch nicht bestätigen, eine Person .durch kräftiges Würgen am Hals zum Schweigen' gebracht zu haben. Man habe gegen die Widersacher lediglich den Polizeigriff eingesetzt, ein Haltegriff, bei die Arme auf den Rücken gedrückt werden", verkündete das „Oberbadische Volksblatt". Um eine Gegendarstellung der Antifa zur Berichterstattung in der Presse zu verhindern, schreckte die Polizei auch nicht vor einem Angriff auf die Pressefreiheit zurück. Sie setzte sich mit dem konservativen Verleger des „Oberbadischen Volksblatts" in Verbindung, der daraufhin starken Druck auf den chefredakteur ausübte. Die Rechnung ging für die Polizei auf. In einer 25-Zeilen Meldung wurden nur grobe Auszüge aus der Antifa-Stellungnahme, in diffamierende Satzhüllen eingebettet, veröffentlicht.
  • (mas)

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