Heft 3 vom 12.02.1990 2/3 scan 2026-05-10

Veranstaltung zu Atomprojekten in Südamerika



An die 30 Menschen fanden sich am 5. Februar im Seminarraum des Konstanzer Kulturladens ein, um sich aus erster Hand über den Ausbau der Atomindustrieen in Argentinien und Brasilien, der dortigen Anti-AKW-Bewegung und der nuklearen Zusammenarbeit dieser Länder mit der BRD zu informieren. Die Initiative gegen Atomanlagen konnte mit Roque Pedace nicht nur einen Naturwissenschaftler aus Buenos Aires, sondern auch einen Vertreter der noch jungen lateinamerikanischen Anti-Atom-Bewegung nach Konstanz holen. Pedace befindet sich gerade auf einer Vortragsreise durch mehrere westeuropäische Länder. Seit Jahren schon setzen Brasilien und Argentinien auf die Atomenergie. Neben ökologischen Problemen, die dabei auftreten, ist es mittlerweile nicht mehr umstritten, daß nuklearindustriellen Projekten Atomwaffenambitionen zugrundeliegen. Beweise dafür lieferte Pedace° en mässe: Die heausragende Machtposition, die die Militärs in den ehemaligen Militärdiktaturen noch immer innehaben, die Ablehnung beider Staaten, den Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichen, die fehlenden Kontrolleinrichtungen innerhalb der Atomanlagen oder aber auch die Existenz eines Atomwaffentestgeländes im brasilianischen Cachimbo. Dies alles wäre ohne die tatkräftige Unterstützung westdeutscher Konzerne (Siemens. KWU, MBB) nicht möglich: Ähnlich wie in Pakistan, Südafrika oder Südkorea hat die BRD auch den südamerikanischen Subkontinent mit Atomtechnologie ausgerüstet. - (tv)

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