Heft 3 vom 12.02.1990 2/3 scan 2026-05-10

Antifa in Radolfzell erfolgreich



Ein Erfolg wurde diesmal die öffentliche (Gründungs-)Versammlung des Antifaschistischen Arbeitskreis in Radolfzell am Donnerstag, den I. Februar. Über io Leute kamen diesmal zum Antifaschistischen Arbeitskreis, nachdem die letzte Versammlung Anfang Dezember em f°l‘ger Flop geworden war. Sämtliche Altersgruppen vom 14-jährigen Schüler bis hin zum Rentner waren vertreten allerdings nur eine Frau. Das AntifaKomitee Konstanz wurde ebenfalls vertreten. Diskussionspunkt wurde u a. die Lage der Asylbewerber in Radolfzell. In Radolfzell häufen sich in den letzten Wochen und Monaten die negen Asylbewerber geachteten gewalttätigen Anschläge. Im sogenannten Asyßlanten"heim auf d=mfrüheren " Kasernen-Areal in Radol^.e11 wurde ein Iraner zusammengeschlagen, er mußte mit schweren Platzwunden 6 Tage im Krankenhaus verbringen. Ein Teppichlager, das sich im Keller des „Asylanten"heims befindet, wurde in Brand gesteckt. Durch das Entzünden von zwei Fünfliter-Kanistern (Alt)öl auf Holz in einem Keller mit Holzwänden und Holzdecke wurde eine lebensgefährliche Bedrohung für Bewohnerinnen und Bewohner des (100 Menschen umfassenden) „Asylanten"heims hervorgerufen, allein schon durch die starke Rauchentwicklung. Die Konstanzer Polizei spielt die Gewalttaten verharmlosend herunter und leugnet einen rassistischen Hintergrund: „Es gibt ja auch Pyromanen". Den „Südkurier scheinen die Anschläge auch nicht sehr zu bekümmern. In Form von Flugblättern soll die Radolfzeller Bevölkerung jetzt etwas über die wirkliche Lage der Asylbewerber v.a. in Radolfzell, aber auch allgemein in der BRD erfahren. Der Antifa-Arbeitskreis wird zunächst persönliche Kontakte zu Asylbewerbern knüpfen, um von ihnen Genaueres über die Vorfälle in Radolfzell und ihre sonstige Lage erfahren zu können. Danach sollen in Bälde erst speziell für Radolfzell bezogene Flugblätter, dann allgemeine 4-seitige Flugschriften (?) über Asylbewerber, ihre Lage in der BRD und ihre Fluchtgründe hergestellt und verteilt werden. Möglich wäre es hierbei konkret auf ein Herkunftsland von Asylbewerbern (wie die Türkei) einzugehen und Informationen darüber zu liefern, welche Verhältnisse dort herrschen und warum. Die Rolle der BRD wäre hierbei zu beleuchten und der Zusammenhang zur rassistischen BRD-Politik herzustellen. Auch mit dem Verhalten der hiesigen Polizei und des „Südkurier" im Zusammenhang mit den Anschlägen wird eingegangen werden müssen.- (bhs)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.