Seit dem 30.1..89 (!) befinden sich spanische politische Gefangene aus GRAPO und PCE(r) in einem unbefristeten Hungerstreik für ihre Wiederzusammenlegung.
Seit den Siebzigern führen die Gefangenen aus GRAPO (Grupos de Resistencia Anlifascista de Primero de Octubre antifaschistische Widerstandsgruppen des 1. Oktober) und PCE(r) (Partido Comunista de Espagna rcconstituido - wiedergegr. Kommunistische Partei Spaniens) den Kampf um Zusammenlegung: 1977-81 wurden mehrere Hungerstreiks aufgrund der menschenverachtenden Isolationshaftbedingungen für politischen Gefangene geführt. 1981: Im HS starb Juan Jose Crespo. Die Zentrumsregierung USP unter Soares mußte die Forderung nach Beendigung der Isolation und die Bildung von Gefangenenkollektiven (im Hochsicherheitsgefängnis von Soria) akzeptieren. 1987 arbeitete das Justizministerium einen Plan gegen die Gefangenenkollcktive der ETA, der PCE(r) und der GRAPO aus. Dieser umfaßt die Verlegung in über das ganze Land verstreute Knaste, Isolation unter dem Deckmantel des ’Normalvollzugs’, verschärfte Postzensur, Besuchsverbote, ... Dies bedeutet den Versuch, gegen Militante Gefangene nach einer einheitlichen Europäischen Norm, dem ’modelo alcman’ vorzugehen. September 1989: Die Gefangenen aus PCE(r) und GRAPO im Gefängnis von Almeria führten einen vierwöchigen HS und bekamen von der sozialistischen PSOE Regierung (wohl aus wahltaktischen Gründen) die Wiederzusammenlegung zugesagt !
9.1L89: Vier Gefangene in Soria und vier gef. Frauen in Carabanchel wurden im Morgengrauen in andere Gefängnisse verlegt. Am Tag darauf werden sieben Gefangene im Knastkrankenhaus von Carabanchel in sieben verschiedene Solidaritätskundgebung vor der spanischen Botschaft in Bonn Knäste auseinandergerissen. 30.11.89: Erneuter Beginn eines unbefristeten Hungerstreiks für die Wiederzusammenlegung. Seit Mitte Dezember ’89 waren Gefangene aus der ETA im HS für ihre Zusammenlegung. Dieser wurde inzwischen abgebrochen. Aktueller Bericht aus Spanien, entnommen aus dem ANGEHÖRIGEN-INFO 33 vom 12.90:Nach mehreren Anrufen, die das Infobüro Hamburg mit den Angehörigen der spanischen politischen Gefangenen im Roten Kreuz in Madrid führte,ist der letzte Stand zum Hungerstreik von GRAPO und PCE(r): Viele Gefangene sind im Präkoma und werden durch die Zwangsernährung immer wieder aus diesem gerissen. Francisco Cela Seoane befindet sich zeitweilig im Koma. Josefina Garcia Aramburu und Carmen Lopez Anguita haben sich im Krankenhaus die Zwangsemährungsschläuche herausgerissen; daraufhin wurden sie in den Knast zurückverlegt und setzen dort zur Zeit den Hungerstreik fort. Ein Teil der Gefangenen wird zwangsemährt, ein anderer Teil nicht. Die Angehörigen haben nicht nur das Rote Kreuz in Madrid besetzt, sondern auch in Vigo und Bilbao. 30 Ärzte haben sich aus Protest gegen die Zwangsemährung im Krankenhaus Vitoria eingeschlossen, sie sind gegen eine medizinische Verantwortung in diesem Fall und für eine politische Lösung. Es gab Kundgebungen in Valencia, La Coruna, Vigo und Madrid. Ausländische Ärzte und Rechtsanwälte haben sich nach dem Stand des Hungerstreiks erkundigt.
- chronologie zum Hungerstreik / Auszüge aus Zeitungsartikeln (EL Pais): 18.1.90:Eine Angehörige hat ein Ermittlungsverfahren in fiann Besetzt daß die spanische Regierung bzw. die StrafvollG «h.hörden das im letzten Hungerstreik (Almena) erzielte zugsbehorden aasimi zuständige D^h?m-nCManuela Carmena teilt mittlerweile diese Auffas*Cgunt"uÄriinde des staatlichen Vertrugst,™nie Asociacion contra la Tortura (Vereinigung gegen d£ SS Anzeige 8'8'" d'" “ld'r'l‘‘°r der S SvoUzugsbehörden und jede andere Person, die iortHch is? und zwar wegen der gegebenen Anordnung verantwortlich ist, ihrer Anzeige sagt diese OrgamsatidCr?^n^X«ne^n^raThrtwerdBen.DieAn8ehöngei machte“ ein? Kundgebung beim Justizministerium in Madrid. 21.1.90: Neben anderen Organisationen hat sich die Asociacion Pro Dercchos Humanos de Espana (APDH - Vereinigung für die Menschenrechte in Spanien) bereiterklärt, zwischen Regierung und Gefangenen zu vermitteln. 25.1.90: Die Angehörigen von drei Gefangenen, denen es extrem schlecht geht - Olegario Sanchez Corrales, Francisco Cela Seoane, Jose Balmon Castell -, wünschen nicht, daß sie den Hungerstreik bis zum Tode fortführen, aber sie unterstützen ihre Haltung,"weil es die Entscheidung ist, die sie getroffen haben". Diese drei Gefangene haben an ihre Überwachungsrichter einen Brief geschrieben und fordern sie auf, entgegen der Eingabe der Staatsanwaltschaft die Zwangsemährung weiterhin abzulehnen. Zitate aus diesem Brief: Der Hungerstreik ist "die einzige Form des Protestes und politischen Widerstandes, die uns bleibt". Sie kritisieren die Haltung des Generalstaatsanwaltes: "Diese Sorge jetzt um unser Leben ist reine Ironie, wo doch in Wirklichkeit sein Ziel unsere Zerstörung als Menschen und Militante der realen politischen Opposition ist. Klar ist, daß, stürben wir im Hungerstreik, wir zu Märtyrern würden, schwüren wir aber ab, wären wir Beispiele der Zerstörung—Wir verfolgen keineswegs als Ziel den Selbstmord oder die Selbslzerstörung. Wir sind Militante des Lebens; für das Leben empfinden wir eine große Liebe. Aber nicht für jede Art des Lebens, Sondern für ein Leben von Menschen, würdig und so frei wie möglich. Wir sind politische Gefangene, die wegen Ideen und Taten, die der Staat für Verbrechen hält, verurteilt worden sind. Wir sind zu Freiheitsentzug verurteilt worden und nicht zu andauernder Folter." 26.1.90: Josephina Garcia Aramburu und Carmen Lopez Anguita rissen sich die Serum-Schläuche der Zwangsemährung ab. Unter der spanischen Ärzteschaft gibt es eine breite Diskussion über die Zwangsemährung. El Pais- "In der BRD befinden sich weilerhin sieben Mitglieder der Rote Armee Fraktion (RAF) im Hungerstreik in Solidarität mit den GRAPO-Gefangenen. Während des Hungerstreiks, in dem sich die RAF-Gefangenen im letzten Frühjahr befanden, griffen die Behörden nicht zur Zwangsernährung. In der BRD ist es erlaubt, die Zwangsemährung 'in extremen Fällen’ - wenn der Kranke das Bewußtsein verliert
- anzuwenden." 27.1.90: Angehörige der Gefangenen ketteten sich gestern vor dem Gericht in Bilbao an. Die Richter wiederholen ihre Ablehnung der Zwangsemährung. 13 Gefangene haben nach Angaben des Strafvollzugs den Hungerstreik abgebrochen, 48 machen weiter, davon 38 im Krankenhaus. Die behandelnden Ärzte von Olcgario Sanchez Corrales und Jose Balmon Castell erklärten, daß beide an Herzstillstand sterben können, ohne vorher das Bewußtsein zu verlieren. Victorino Diegucz Guerra (nach 44 Tagen Hungerstreik freigelassen) erklärte gestern in Vitoria, daß im Falle des Todes eines der Hungerstreikenden sich die Antworten der "ganzen Bewegung" radikalisieren werden und die "PSOE es bezahlen müssen wird". Von den fünf Gefangenen in Soria, die bislang nicht am Hungerstreik teilgenommen hatten, schlossen sich zwei Gefangene gestern dem Hungerstreik an. 28.1.90: Am 26.1 fiel Francisco Cela ins Koma. Danach wurde er intravenös ernährt. Convcrgencia Alternativa - Izquicrda Unida (ein linker Zusammenschluß) fordert die Regierung auf, mit den Gefangenen in den Dialog zu treten und eine Lösung des Problems zu suchen. Benjamin Grande und Jaime Simon wurden im Krankenhaus Vitoria ans Bett gefesselt, damit sie sich nicht die Zwangsemährungssonden herausreißen. 29.1.90: Die drei GRAPO-Gefangenen Olcgario Sanchcz, Francisco Cela und Jose Balmon, die in zwei Anstalten in Saragossa einsitzen, befinden sich in einem extrem bedrohlichen Zustand. An diesem Tag ist der 60. Tag des Hungerstreiks. Jose Balmon befindet sich im Präkoma. Francisco Cela befindet sich weiterhin im Koma und wird intravenös zwangsernährt. Die behandelnden Ärzte sagen zu den drei Gefangenen, daß sie ab jetzt irreparable Schäden davontragen und daß jeden Moment der Tod bei ihnen eintreten kann. Nach letzter Kenntnis befinden und befanden sich folgende politische Gefangene in der Bundesrepublik in einem befristeten Sohdaritätshungerstreik mit den spanischen politischen Gefangenen: Ute Illadki, Gisela Dutzi, Eva Haule, Ingrid Barabaß, Siegrid Happe, Gabi Ilanka, Helmut Pohl, Rolf Clemens Wagner Günter Muller, Ursula Makilla, Rico Prauss, Luitgard Hornstein, Bärbel Perau, Kart-Heinz Dellwo, Lutz Täufer Knut Folkerts’ Günter Sonnenberg, Carlos Grosser, christian Klar, Andreas Semisch, Bernhard Rosenkötter, Michael Dieliker, Ali Jansen Sven’Schmid Thomas Kilpper. ’ ’ WIEDERZUSAMMENLEGUNG DER SPANISchEN POLITISchEN GEFANGENEN! SchLUSS MIT DER ISOLATION DER POLITISchEN GEFANGENEN IN WESTEUROPA - ZUSAMMENLEGUNG JETZT ! FREILASSUNG ALLER HAFTUNFÄHIGEN GEFANGENEN !