Kolleginnen und Kollegen!
Wir wenden uns an Euch, die Ihr in den
Betrieben und auf der Straße aktiv für
die Erneuerung in der DDR eintretet.
Wir wissen uns mit Euch einig in dem
gemeinsamen Ziel, einen lebenswerten, demoktratischen, attraktiven Sozialismus in unsrerem Land zu schaffen. Unumkehrbar.
Das wollen wir in breiter, schöpferischer demokratischer Zusammenarbeit gemeinsam erstreiten und erarbeiten. Es geht nicht um Zugehörigkeit zu Parteien, Organisationen, Religionen. Es geht um unser Land.
Erneuerung in unser aller Interesse
^■fordert:
Eine gründliche Bestandsaufnahme.
Aufdeckung aller Fälle von Amtsmißbrauch und Korruption.
Gerechte Bestrafung aller, die sich
dafür zu verantworten haben.
Rückgabe unrechtmäßig angeeigneten Vermögens an das Volk.
Garantien, daß nie wieder eine korrupte Clique auf Kosten unserer angestrengten, ehrlichen Arbeit leben
kann.
Erneuerung in unser aller Interesse erfordert, daß sich die IG Metall von ihrer Gewerkschaftsbasis aus neu profiliert.
Was will die IG Metall?
1. Konsequente Gewerkschaftsdemokratie
Unabhängigkeit und eigene Finanzgewalt für die Interessenvertretung
ihrer Mitglieder.
Eigenständigkeit und Gleichberechtigung in einem Gewerkschaftsdachverband, gegliedert nach dem
Prinzip „Ein Betrieb, eine Gewerkschaft".
Ein eigenes Statut für den Schutz
und die Vertretung der Mitgliederinteressen.
Eine eigene demokratische Wahlordnung
Jedes Mitglied kann wählen und gewählt werden. Geheime, namentliche
Direktwahl der Vorsitzenden, Stellvertreter Leitungs- und Sekretariatsmitglieder. Begrenzung der Wahl in
gleiche Gewerkschaftsvertretungen
auf zwei Wahlperioden. Soziale Sicherheit in sowie nach Ausscheiden
aus Wahlfunktionen.
Ein Gewerkschaftsgesetz, das
Rechte und Pflichten der gewerkschaften sichert.
Neues AGB und gesetzliche Regelungen für ein Streikrecht.
2. Leistungsgerechtigkeit und Tarifautonomie
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.
Unabhängig von Geschlecht, Alter,
Religion, Nationalität.
Rechtsverbindliche Sicherung in
RahmenkollektivVerträgen, Tarifverträgen, Urlaubsvereinbarungen usw.
Steigender Lohn bei steigender
Verantwortung. Festlegungen dazu im
BKV (Betriebsvereinbarungen)
Verantwortungsgerechte Entlohnung für Meister, ihnen gleichgestellte Kollektivleiter, Lehrmeister.
Wirksame leistungsfördernde Entlohnung für wissenschaftlich-technische und technisch-ökonomische
Fachkräfte.
Neue Tarife für die Metaller in
Handwerk und Gewerbe. Ohne Unterschied zur volkseigenen Wirtschaft.
Überarbeitung des Montage- und
Kundendienstabkommens und Reiserechts.
Gleiche Besteuerung aller Beschäftigten und überschaubare Lohnabrechnungen.
Neuregelung zur Bildung und Verwendung des Prämienfonds. Mit steigender Leistung steigende Jahresendprämie
Soziale Sicherung bei technologisch
oder altersbedingter Veränderung des
Arbeitsplatzes. Einführung eines sozialen Ausgleichsfonds.
Gewerkschaftliches Mitspracherecht. Reallohn und Rentenausgleichsgarantie bei Subventions- und
Preisveränderungen.
Sichere, erschwernisfreie, gesundheitlich gefahrlose Arbeitsplätze.
Keine neuen Erschwernisse an neuen
Arbitsplätzen.
Keine Abstriche an geplanten und
bilanzierten Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen.
Keine gewerkschaftliche Zustimmung zu Aussnahmegenehmigungen
für Arbeitsbedingungen.
Materiell und finanziell gesicherte
Sofortmaßnahmen zum Arbeits- und
Gesundheitsschutz entsprechend den
Arbeitsplatzanalysen.
Kurzfristige, konsequente Beseitigung von Umweltbelastungen. Ökologie als Erfordernis der Ökonomie.
Rechtsverbindliche Sozialprjekte
als Bestandteil der betreiblichen Entwicklungskonzeption.
4. Bildung und Weiterbildung
Berufliche Bildung und Weiterbildung als gesichertes gleiches Recht
für alle.
Bessere chancen für Metallerinnen.
Einsatz entsprechend Qualifikation
und Befähigung.
Berufsausbildung, die stärker solide
handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt.
Eigenständiges Schulungssystem
für Gewerkschaftsvertreter der IG
Metall mit eigener Gewerkschaftsschule. Bezahlte Bildungsfreistellung.
5. Urlaub und Freizeit
Neue Urlaubsregelungen nach einheitlichen Maßstäben.
Überführung aller staats- und parteieigenen Ferienheime in den Feriendienst der Gewerkschaften.
Vergabe gewerkschaftlicher Ferienplätze unter Verantwortung der
Leitungen der IG Metall.
Gestaffelte Schulferienzeiten für
bessere Familienerholung.
Vielfältige, ineressante Kultur-und
Freizaitangebote durch den Betrieb.
6. Wirtschaftsreform
Sicherung des Volkseigentums an
den wichtigsten Produktionsmitteln.
Recht auf Arbeit für alle. Vollbeschäftigung.
öffentliche Diskussion und gewerkschaftliche Mitsprache bei volkswirtschaftlichen und betrieblichen Struktur- und Eigentumsveränderungen.
Mehr marktorientierte betriebliche
Entscheidungsfreiheit.
Kurzfristige Veränderungen solcher AGB-Regeiungen, die dem flexiblen Reagieren der Wirtschaft auf
innere und äußere Marktanforderungen entgegenstehen = ohne soziale
Ungerechtigkeiten.
Betriebsvereinbarungen (BKV), die
steigende Sozialleistungen mit steigendem Gewinn sichern.
Das will die IG Metall!
Um das durchzusetzen ist eine starke, finanzkräftige und nur den Interessen ihrer Mitglieder verpflichtete
Industriegewerkschaft Metall nötig.
Jeder Metaller der DDR braucht eine
solche Industriegewerkschaft als Garant für den Schutz und die Vertretung
seiner Interessen. Und die
IG Metall braucht jeden Metaller!
(Industriegewerkschaft Metall der
DDR Zentralvorstand Fritz-Heckert-Straße 70, Berlin 1026)
Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.