Heft 3 vom 12.02.1990 2/3 scan 2026-05-10

IGM Ost: Industriegewerkschaft Metall voran! Vertrauen der IG Metaller neu gewinnen



  • Kolleginnen und Kollegen! Wir wenden uns an Euch, die Ihr in den Betrieben und auf der Straße aktiv für die Erneuerung in der DDR eintretet. Wir wissen uns mit Euch einig in dem gemeinsamen Ziel, einen lebenswerten, demoktratischen, attraktiven Sozialismus in unsrerem Land zu schaffen. Unumkehrbar. Das wollen wir in breiter, schöpferischer demokratischer Zusammenarbeit gemeinsam erstreiten und erarbeiten. Es geht nicht um Zugehörigkeit zu Parteien, Organisationen, Religionen. Es geht um unser Land. Erneuerung in unser aller Interesse ^■fordert: Eine gründliche Bestandsaufnahme.
  • Aufdeckung aller Fälle von Amtsmißbrauch und Korruption.
  • Gerechte Bestrafung aller, die sich dafür zu verantworten haben.
  • Rückgabe unrechtmäßig angeeigneten Vermögens an das Volk.
  • Garantien, daß nie wieder eine korrupte Clique auf Kosten unserer angestrengten, ehrlichen Arbeit leben kann. Erneuerung in unser aller Interesse erfordert, daß sich die IG Metall von ihrer Gewerkschaftsbasis aus neu profiliert. Was will die IG Metall? 1. Konsequente Gewerkschaftsdemokratie Unabhängigkeit und eigene Finanzgewalt für die Interessenvertretung ihrer Mitglieder.
  • Eigenständigkeit und Gleichberechtigung in einem Gewerkschaftsdachverband, gegliedert nach dem Prinzip „Ein Betrieb, eine Gewerkschaft".
  • Ein eigenes Statut für den Schutz und die Vertretung der Mitgliederinteressen.
  • Eine eigene demokratische Wahlordnung Jedes Mitglied kann wählen und gewählt werden. Geheime, namentliche Direktwahl der Vorsitzenden, Stellvertreter Leitungs- und Sekretariatsmitglieder. Begrenzung der Wahl in gleiche Gewerkschaftsvertretungen auf zwei Wahlperioden. Soziale Sicherheit in sowie nach Ausscheiden aus Wahlfunktionen.
  • Ein Gewerkschaftsgesetz, das Rechte und Pflichten der gewerkschaften sichert.
  • Neues AGB und gesetzliche Regelungen für ein Streikrecht. 2. Leistungsgerechtigkeit und Tarifautonomie
  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion, Nationalität.
  • Rechtsverbindliche Sicherung in RahmenkollektivVerträgen, Tarifverträgen, Urlaubsvereinbarungen usw.
  • Steigender Lohn bei steigender Verantwortung. Festlegungen dazu im BKV (Betriebsvereinbarungen)
  • Verantwortungsgerechte Entlohnung für Meister, ihnen gleichgestellte Kollektivleiter, Lehrmeister.
  • Wirksame leistungsfördernde Entlohnung für wissenschaftlich-technische und technisch-ökonomische Fachkräfte.
  • Neue Tarife für die Metaller in Handwerk und Gewerbe. Ohne Unterschied zur volkseigenen Wirtschaft.
  • Überarbeitung des Montage- und Kundendienstabkommens und Reiserechts.
  • Gleiche Besteuerung aller Beschäftigten und überschaubare Lohnabrechnungen.
  • Neuregelung zur Bildung und Verwendung des Prämienfonds. Mit steigender Leistung steigende Jahresendprämie
  • Soziale Sicherung bei technologisch oder altersbedingter Veränderung des Arbeitsplatzes. Einführung eines sozialen Ausgleichsfonds.
  • Gewerkschaftliches Mitspracherecht. Reallohn und Rentenausgleichsgarantie bei Subventions- und Preisveränderungen.
  • Einheitliches Rentenrecht. 3. Arbeitsbedingungen, Arbeitsschutz, Arbeitsumwelt
  • Sichere, erschwernisfreie, gesundheitlich gefahrlose Arbeitsplätze. Keine neuen Erschwernisse an neuen Arbitsplätzen.
  • Keine Abstriche an geplanten und bilanzierten Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen.
  • Keine gewerkschaftliche Zustimmung zu Aussnahmegenehmigungen für Arbeitsbedingungen.
  • Materiell und finanziell gesicherte Sofortmaßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz entsprechend den Arbeitsplatzanalysen.
  • Kurzfristige, konsequente Beseitigung von Umweltbelastungen. Ökologie als Erfordernis der Ökonomie.
  • Rechtsverbindliche Sozialprjekte als Bestandteil der betreiblichen Entwicklungskonzeption. 4. Bildung und Weiterbildung
  • Berufliche Bildung und Weiterbildung als gesichertes gleiches Recht für alle.
  • Bessere chancen für Metallerinnen.
  • Einsatz entsprechend Qualifikation und Befähigung.
  • Berufsausbildung, die stärker solide handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt.
  • Eigenständiges Schulungssystem für Gewerkschaftsvertreter der IG Metall mit eigener Gewerkschaftsschule. Bezahlte Bildungsfreistellung. 5. Urlaub und Freizeit
  • Neue Urlaubsregelungen nach einheitlichen Maßstäben.
  • Überführung aller staats- und parteieigenen Ferienheime in den Feriendienst der Gewerkschaften.
  • Vergabe gewerkschaftlicher Ferienplätze unter Verantwortung der Leitungen der IG Metall.
  • Gestaffelte Schulferienzeiten für bessere Familienerholung.
  • Vielfältige, ineressante Kultur-und Freizaitangebote durch den Betrieb. 6. Wirtschaftsreform
  • Sicherung des Volkseigentums an den wichtigsten Produktionsmitteln.
  • Recht auf Arbeit für alle. Vollbeschäftigung.
  • öffentliche Diskussion und gewerkschaftliche Mitsprache bei volkswirtschaftlichen und betrieblichen Struktur- und Eigentumsveränderungen.
  • Radikal vereinfachte, bedürfnisorientierte zentrale Planung.
  • Mehr marktorientierte betriebliche Entscheidungsfreiheit.
  • Kurzfristige Veränderungen solcher AGB-Regeiungen, die dem flexiblen Reagieren der Wirtschaft auf innere und äußere Marktanforderungen entgegenstehen = ohne soziale Ungerechtigkeiten.
  • Betriebsvereinbarungen (BKV), die steigende Sozialleistungen mit steigendem Gewinn sichern. Das will die IG Metall! Um das durchzusetzen ist eine starke, finanzkräftige und nur den Interessen ihrer Mitglieder verpflichtete Industriegewerkschaft Metall nötig. Jeder Metaller der DDR braucht eine solche Industriegewerkschaft als Garant für den Schutz und die Vertretung seiner Interessen. Und die IG Metall braucht jeden Metaller! (Industriegewerkschaft Metall der DDR Zentralvorstand Fritz-Heckert-Straße 70, Berlin 1026)

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