Heft 5 vom 21.03.1990 2/5 scan 2026-05-10

NPD-Lob für "Südkurier" und "Schwarzwälder Boten"



Die NPD im Schwarzwald-Baar-Kreis kommt in ihrem Mitteilungsblatt gar nicht mehr heraus aus dem Lob über den „Südkurier“ und den „Schwarzwälder Boten“. Der „Südkurier“ Villingen-Schwenningen hatte unkommentiert einen Leserbrief des NPD-Landesvorsitzenden Jürgen Schützinger (Schwenningen) abgedruckt, in dem dieser das Niederbrüllen von Kritikern während der NPD-„Reichsgründungsfeier“ in Villingen (Januar 90) ausdrücklich rechtfertigt. Die NPD lobt: „. .. im Interesse einer wahrhaft demokratischen Presse, für die und deren Rechte sich die NPD stark macht, sehr zu begrüßen“ „Eine wahrhaft demokratische Presse“: Soll das etwa heißen, der .Südkurier“ wäre der NPD als faschistische Regimepresse willkommen? Die NPD weiter:.....wir sind gerne bereit, die Hand zu reichen, um im Interesse der Leserschaft ein deutliches JA zu einem vernünftigen Umgang unter Wahrung von Anstand und Ehre zu sagen. Weltweit sind Freiheitsbewegungen feststellbar. Wieso auch nicht in den Redeaktionsstuben des Villinger Südkurier!?“ Soll das heißen: Die überschwappende nationalistische Welle (DDR, Litauen, Kaukasus . . .) hat den „Südkurier“ erfaßt? Der „Schwarzwälder Bote“ seinerseits hatte einen sehr „sachlichen“ Artikel über einen NPD-Antrag im Kommunalparlament Villingen-Schwenningens veröffentlicht. Der Antrag betrifft rein verwaltungstechnische Probleme in Bezug auf die organisatorische Abwicklung der Kommunalwahlen. Der „Schwarwälder Bote“ berichtet nüchtern über den NPD-Antrag, als handle es sich um irgendeine „normale“ Partei. Die „Nationaldemokraten“ werden hierbei ohne Anführungszeichen geschrieben. Die Absicht der NPD, sich durch diesen Antrag als „sachlich“ und „konstruktiv“ hinzustellen, wird erfüllt. Der' „Schwarzwälder Bote" war schon vor ein paar Wochen durch den redaktionsinternen Beschluß, die REPs und die DVU künftig nicht mehr als rechtsextrem zu bezeichnen, aufgefallen. Der „Südkurier" hatte auch schon braune Flecke in seiner schwarzen Färbung bewiesen. Der „Südkurief-Kommentator Thilo Koch hatte im Frühjahr 1989 (die REPs waren gerade im Aufstieg begriffen) im „Südkurier“ eine schwarz-braune Koalition befürwortet. Zunächst begrüßte er in einem Kommentar die Herausbildung klarerer Alternativen im Parteiensystem, um dann zum Schluß zu kommen, auch „rot“grüne und verschämt, oder auch umgekehrte Koalitionen müßten erlaubt sein. — (bhs)

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