Heft 5 vom 21.03.1990 2/5 scan 2026-05-10

Kommune gegen Giftmüllanlage



Böblingen. Der Landrat des Kreises Böblingen, die Fraktionsvorsitzenden des Kreistages sowie der Oberbürgermeister und Ältestenräte der Städte Böblingen und Sindelfingen sprachen sich auf einer gemeinsamen Sitzung einmütig dafür aus, die von der Landesregierung geplante Sondermüllverbrennungsanlage in Böblingen mit allen Mitteln zu verhindern. Auch der Böblinger Gemeinderat votierte einstimmig gegen das Projekt. Am 13.2. gab Baden-württembergs Umweltminister Vetter auf einer Pressekonferenz überraschend drei Standorte bekannt, die für die geplante zweite Sondermütlverbrennungsanlage des Landes in Frage kommen, darunter neben Westernach (Hohenlohekreis) und Hüttlingen (Ostalbkreis) ein Böblinger Gewerbegebiet. Die betroffenen Gemeinden und örtlichen Landtagsabgeordneten wurden erst wenige Stunden vor der Pressekonferenz per Boten von der Standortwahl in Kenntnis gesetzt. Auch die schon bestehende Landtagskommission, die ein Konzept zur Lösung des Sondermüllproblems ausarbeitet, wurde übergangen. Die Landesregierung beruft sich auf ein insgeheim in Auftrag gegebenes Gutachten. Vetter legt sich beim Standort Böblingen u.a. auch mit der Mercedes-Benz AG (zugleich größter Sondermüllproduzent in BaWü) an, die dorthin ihre Entwicklungsabteilungen aus dem Werk Sindelfingen auslagern will. — (wor, tht)

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