Massenfestnahmen in Konstanz
Zwei Drittel der Teilnehmerinnen an einer friedlichen Protest-Aktion gewalttätig verhaftet — ein von Staatssicherheitsorganen vollständig abgeriegeltes Kaufhaus (Hertie), an dessen Ausgängen staatsfreundliche Gesichtszüge abverlangt wurden, wollte man einer Durchsuchung oder Verhaftung entgehen — prügelnde Polizisten während ED-Behandlung und Vernehmung der meisten der 32 Festgenommenen — eine mit uniformierten sowie mit ZivilPolizisten, eine mit Spitzeln übersäte Stadt (für zwei Tage) — eine totale Mobilmachung von Sicherheitskräften (diverseste Sondereinsatzkommandos). Notstandsspektakel, sechs Wochen im voraus einstudiert. Die ach so strapazierte Demokratie bekommt hier schon mal Atempause. Der aufgeblähte Staatskörper sprengt hin und wieder die Naht des zierlichen Deckmäntelchens (Demokratie), wenn er glaubt, seine Potenz unter Beweis stellen zu müssen. Das war Konstanz, Mittwoch 21. März 1990. Zu Wasser, zu Land und in der Luft wurden laut Polizeisprecher Baumann die deutsch-spanischen Konsultationsgespräche zwischen Kohl und Gonzales rund um das Inselhotel gesichert. Der größere Teil der Beamtenschar stamme aus dem ‘Bereich der Polizeidirektion Konstanz, berichtete Polizeidirektor Horn dem „Südkurier". Und was die können, das haben etliche Demonstrantinnen zu spüren gekriegt. Dadurch wurde nochmals ins Bewußtsein gerückt, daß es die Linke hier nicht mit Dorfpolizisten zu tun hat. Wie durchorganisiert der Polizei-Staats-Apparat ist, zeigt sich genau daran, daß auch in der Provinz und zwar überwiegend mit dem dortigen Kontingent dasselbe geleistet werden kann, was einem aus Großstädten eher geläufig ist. Sind die Illusionen über ein beschauliches Konstanz weitab vom Weltgeschehen jetzt beseitigt? Wieviele haben die Ereignisse am 21.3. wachgerüttelt? Zusammen leben geht nicht ohne zusammen kämpfen! Solidarität mit den Verhafteten! Solidarität mit den hungerstreikenden politischen Gefangenen in Westeuropa! Widerstand organisieren statt wegen Kriminalisierung dahinvegetieren! — (Stf)