Heft 7 vom 19.04.1990 2/7 scan 2026-05-10

Die "freie Liebe" und wie sie sich verwirklicht



Radolfzell. Die Galerie Roda, die unlängst ihre Räume zugunsten eines Großprojekts bei Hannover gekündigt hat, war ein Betrieb des „Projektes Meigar“, das alle aktiven Mitglieder der „Sex Peace"-Bewegung umfaßt. „Sex Peace“ („Friede den Geschlechtern“) ist in den 80iger Jahren als Bewegung aufgekommen und hat sich seither besonders in Großstädten etabliert. Das „Projekt Meigar“ hat im gleichnamigen Verlag ein Buch mit dem Titel „Rettet den Sex“ herausgegeben. Darin geht es um Themen, um die auch die Vorträge und Ausstellungen der Galerie Roda kreisten: um einen „neuen sexuellen Humanismus“ oder schlicht um die „freie Liebe“. Was die Autorinnen (es sind tatsächlich nur Frauen) darunter verstehen, mag so manche/n in Erstaunen versetzen. Da taucht der Begriff von der „Liebesdienerin“ auf, nach mehr „Bordellen" wird verlangt, eine Autorin zeigt sogar Verständnis für Vergewaltiger — „Manchmal verstehe ich die Männer, die nicht mehr nachfragen, sondern einfach handeln“. Der Preis für die „freie Liebe“ scheint zu sein, daß sich die Frau nicht länger durch ihre eigene Sexualität definiert, sondern zur Dienerin des Mannes wird, daß sie sich freiwillig und anscheinend mit Genuß wie eine Ware Männern im „sexuellen Notstand" feilbietet und, falls es an freiwilliger Hingabe fehlt, eben selbst die Schuld an der Vergewaltigung trägt. Die Sorte „freie Liebe“ ist ’ so revolutionär, wie die Rita feministisch ist. — (and)

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