Heft 8 vom 03.05.1990 2/8 review 2026-05-10

Metall-Tarifauseinandersetzung

Provokation des Unternehmerverbands Gesamtmetall


Ein Streik in der Metallindustrie wird möglich. Obwohl Kirchner, Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, andeutete, daß das Lohnangebot von fünf Prozent für 15 Monate nicht das letzte Angebot der Metallkapitalisten sei. Provokativ allerdings war ein Angebot von Gesamtmetall, das die IG Metall an das Wohl und Wehe der westdeutschen Kapitalisten binden sollte: Keine Verkürzung der Arbeitszeit bis 1993 und Aufnahme von Verhandlungen erst dann, wenn sich der behauptete Abstand zwischen Arbeitszeiten im EGDurchschnitt und in der BRD etwa halbiert hat, also vielleicht erst 1993. Die Verhandlungen 1993 sollen von der konjunkturellen Lage und von den Arbeitsverhältnissen bei den Konkurenten abhängig gemacht werden. Ob der Lohn zum Leben ausreicht oder nicht, ob die Arbeitsintensität überhaupt noch auszuhalten ist, ob die Länge der Arbeitszeit zur Qual wird, würde damit zu einer Frage von Wirtschaftsdaten. Gesamtmetall und auch bürgerliche Öffentlichkeit wollen die IG Metall darauf verpflichten, Tarifpolitik an solche Bedingungen zu knüpfen, die die IG Metall an den Expansionskurs des Kapitals binden. Deshalb spreche, so Kirchner, die derzeitige Großwetterlage gegen einen flächendeckenden Streik und macht damit dann auch gleich Stimmung gegen die Forderungen der iG Metall. Nur wenige, meint Kirchner, würden angesichts der deutsch-deutschen Wirtschafts- und Soziaiunion dafür Verständnis aufbringen. Wenig Verständnis also für die Forderungen der IG Metall also würde aufgebracht. Dabei sind die Forderungen der IG Metall so angelegt, daß sie sich gegenseitig stützen und jede ihre Berechtigung hat. Es geht halt nicht nur um die 35-Stundenwoche, sondern auch um 8,5% Lohnerhöhung, mindestens 200 DM, um den freien Samstag und Sonntag, um Begrenzung der Höchstarbeitszeit auf acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich, um Zeitsouveränität des einzelnen gegen das Zeitdiktat des Unternehmers, um Schutz der Gesundheit und Personalausgleich gegen Leistungsverdichtung, um Schutz für ältere Beschäftigte. Die Forderungen sind allemal berechtigt und es wird für Gesamtmetall sehr schwer werden, die Interessen derjenigen zu unterdrücken, die hinter diesen Forderungen stehen. — (wmo)

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