Heft 9 vom 16.05.1990 2/9 scan 2026-05-10

Zuschuss für Frauen gekürzt

Sozialamt sabotiert Unterstützung misshandelter Frauen


Die Konstanzer Sozialamtsleiterin Herrmann ist in den letzten Tagen ins Zwielicht geraten. Nicht nur, daß sie die Vorführung des „Nulltarif'-Videos im Jugendzentrum verhinderte; sie hat auch bewirkt, daß der für den Verein „Frauen helfen Frauen in Not e.V." bewilligte Zuschuß im Sozialausschuß bei Stimmengleichheit von 5000 DM auf 2500 DM reduziert wurde. Die Fakten: Der Verein „Frauen helfen Frauen", dessen Zielsetzung Öffentlichkeitsarbeit zum Jhema „physische, psychische und ^xuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen“ ist, hat am 29.1. 5000 DM für Öffentlichkeitsarbeit und Fortbildungsmaßnahmen von Mitarbeiterinnen beantragt. Dieser Antrag wurde am 21.2. im Jugendwohlfahrtsausschuß verhandelt und mit dem Vorbehalt bewilligt, die Mittelverwendung müsse noch präzisiert werden. Nachdem der Verein, der u.a. ein Notruftelefon eingerichtet hat und für ein Frauenhaus in Konstanz kämpft, eine genaue Auflistung der Verwendungszwecke des beantragten Geldes nachgereicht hatte, gab auch der Finanz- und Wirtschaftsausschuß grünes Licht. Somit hätte der Auszahlung der 5000 DM an den Verein nichts mehr im Wege gestanden, wäre dies nicht der Sozialamtsleiterin ein Dorn im Auge gewesen. Herrmann forderte eine Reduzierung der 5000 DM auf 2500 DM und führte als Begründung die TatÄche an, daß „Frauen helfen Frauen“ ^:h ausschließlich an Frauen und Mädchen wendet. Darin sieht sie eine Begrenzung, dergegenüber sie die Aktivitäten des Sozial- und Jugendamtes betont, das eine Beratungsstelle für mißhandelte und mißbrauchte Jugendliche beiderlei Geschlechts einrichten will. Dabei übersieht sie, daß nicht Männer von ihren Ehefrauen mißhandelt werden und Zuflucht im Männerhaus suchen müssen, und daß vor allem Mädchen von sexueller Gewalt betroffen sind. Geschlechtsspezifische Unterscheidungen und Abgrenzungen hält sie für irrelevant. Daß Gewalt gegen Frauen und Mädchen etwas mit patriarchalen Strukturen in unserer Gesellschaft zu tun hat, leugnet sie. Auch fürchtet sie die „Konkurrenz“ einer Beratungsstelle des Vereins und versucht diese kurzerhand auszuschalten, indem sie den Geldhahn zudrehen läßt. Keine Entscheidung im Sinne hilfesuchender Frauen und Mädchen, sondern die Angst der Sozialbürokratie, die Kontrolle über diesen Teil ihres „Klienteis" zu verlieren. — (mok)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.