Heft 9 vom 16.05.1990 2/9 scan 2026-05-10

1. Mai: Verhaltene Kritik an Großdeutschlandplänen



Konstanz. Vor rund 200 Besuchern der Maikundgebung des DGB übte der Hauptredner, Hans-Joachim Schabedoth von der IG Metall-Vorstandsverwaltung, wenn auch verhalten, Kritik am Großdeutschlandkurs von Konzernen und Bundesregierung: Manche „Politiker und viele Unternehmer" wünschten sich die DDR als „Kolonie minderbezahlter Arbeitskräfte“. Er rief zur Verteidigung der „sozialen Interessen der Arbeitnehmer“ auf und erklärte: „Die Gewerkschaften hier und in der DDR werden zur Stelle sein, wenn deutsche Einheit heißen soll, daß die Millionäre daran verdienen und die Millionen Menschen dafür bezahlen.“ Auffällig umging Schabedoth jede positive Bezugnahme auf die „Wiedervereinigung“, ganz im Gegensatz zum zentralen DGB-Maiaufruf („Wir sind für ein einiges Deutschland“). Kritik übte der IG Metaller außerdem am neuen Ausländergesetz; er bekräftigte die Forderungen der IG Metall im Tarifkampf und griff die Absichten der Unternehmer in Sachen Arbeitszeit und Lohn als „Horrorbild“ an. Teile dieses Horrorbilds sind allerdings wenige Tage nach dem 1. Mai Realität geworden (S.4). — (jüg)

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