Heft 9 vom 16.05.1990 2/9 scan 2026-05-10

Prozess in Tuttlingen gegen Antifaschisten verschoben



Konstanz. Die Fortsetzung des Prozesses gegen den Konstanzer Antifaschisten Stefan O. platzte am Montag, den 7.5., da der Zeuge und Nebenkläger Vollack (NPD) mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Acht Zeugen sowie hochkarätige Gutachter mußten unverrichteter Dinge wieder abreisen. Der Eindruck, dem Gericht sei daran gelegen, die Prozeßkosten für den Angeklagten möglichst in die Höhe zu treiben (was sich schon beim ersten Prozeßtermin durch die Benennung hochkarätiger Gutachter für den Fortsetzungstermin zeigte), bestätigte sich. Erneut kungelte der Staatsanwalt mit den Zeugen der Anklage (Mitglieder der NPD) und gab ihnen Tips, was sie zu beachten hätten. Der Richter schlug gar vor, man könne den Prozeßtermin ja auch ohne den Zeugen Vollack (der selber das „Opfer“ des angeblichen Schienbeintritts gewesen sein will) durchziehen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Schubert bestand jedoch auf einer nochmaligen Befragung Vollacks. Der Prozeßtermin wurde auf unbekannt verschoben. — (bhs)

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