Jugendzentrum: Konsum statt Widerstand
Überraschend und kurzfristig legte die Stadtverwaltung für die Jugendwohlfahrtsausschußsitzung am 8. Mai einen Fahrplan für die Entwicklung des Konzeptes des Jugendzentrums vor. Obwohl nach Aussagen eines Sozialarbeiters grundsätzliche Fragen, wie Jugendarbeit in Zukunft gestaltet werden soll, in den Gesprächen mit Stadtjugendpfleger Baier noch nicht eingehend erörtert wurden, legte der mit einem Beschlußantrag die Richtung der zukünftigen Arbeit bereits fest. In der Vorlage heißt es: ...... Jugendliche sind weniger von vornherein bereit, sich für die Einrichtung zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen... durch die vielfältigen Veränderungen in der offenen Jugendarbeit ist eine Konzeptionsdisskussion dringend erforderlich Professionelle Jugendarbeit heute ist eine Institution und keine soziale Bewegung". Diese Aussagen stammen von verschiedenen Theoretikern, die sich die Verwaltung herausgesucht hat um die Umstrukturierung des Juze wissenschaftlich abzusichern Diese Auswahl kritisierte sowohl der Jugendrat des Juze bei einem Gespräch mit Baier am 7. Mai als auch Bärbel Kohler (FGL) auf der Sitzung des Jugendwohlfahrtsausschusses (JWA). Die Verwaltung favorisiert in der theoretischen Diskussion den Wissenschaftler Lothar Böhnisch. den sie auf den 10. Juli für eine JWA-Sitzung bereits eingeladen hat. Auf die Frage im Ausschuß, weshalb es gerade der sein müsse, antwortete Baier, daß dieser der einzige gewesen sei, der in diesem Jahr ein Buch veröffentlicht habe. Die Verwaltung gestand nach längerer Diskussion dann zu auch noch eineN Vertreterin einer anderen Richtung vorzuladen, wenn dieseR benannt würde. Die SPD wollte dem Vorschlag der Verwaltung dennoch nicht folgen, sie wollte diese Punkte zunächst eingehender im neuen Jugendzentrumsausschuß diskutieren. Dieser Unterausschuß des JWA wurde auf der Sitzung am 8. Mai nach mehrmonatlicher Pause wieder konstituiert. Wären die zwei Vertreterinnen der FGL entschlossener gewesen. wäre der Vorschlag der Verwaltung auch glatt abgeschmettert worden. Nach kurzer Verwirrung während der Abstimmung hatten sich diese nur der Stimme enthalten. Durch den Beschluß sind die Voraussetzungen für den längerfristigen Erhalt der bisherigen Struktur des Juze einerseits schlechter, für die Gruppen die in der Planungsphase dort eigenverantwortlich arbeiten, jedoch andererseits besser geworden. Diese werden laut Fahrplan weiterhin „betreut", was voraussetzt, daß sie eine Existenzberechtigung haben, obwohl die Stadt den offenen Betrieb beenden wollte. Die Planungsphase wird in diesem Jahr nicht mehr abgeschlossen werden. Daß es der Stadtverwaltung und der CDU jedoch exakt darum geht, diese Gruppen zu verdrängen, wurde auf der JWA-Sitzung erneut deutlich.“ Die Verwaltung will zwar inzwischen mit dem Jugendrat des Juze diskutieren, dabei soll aber lediglich „erörtert werden, in welchem Rahmen auch weiterhin eine Nutzung der Räume und Einrichtungen des Jugendzentrums für sie möglich ist". Sie yverden weder an der Konzeptentwicklung beteiligt, noch haben sie ein Mitspracherecht. Im Gegenteil: In einer sogenannten Zukunftswerkstatt sollen „768 Jugendliche im Alter von 14 — 18 Jahren aus den Stadtteilen Königsbau und Petershausen" eingeladen werden, um Vorstellungen zu artikulieren. Die bisherigen Nutzerinnen jedoch nicht. Ute Pietrzak (CDU) sprach es aus: Es müßte darauf geachtet werden, daß das Jugendzentrum nicht so ideologisiert wird wie bisher. — (jüw)