Heft 10 vom 30.05.1990 2/10 scan 2026-05-10

Bericht zur Lage der Frauen

Frauendiskriminierung trotz hohen Bildungsniveaus


Am 22. Mai wurde im Gemeinderat der Bericht der erste Teil des Berichtes der Frauenbeauftragten christa TiemannAlbrecht zur Lage der Frauen in Konstanz diskutiert. Erarbeitet hat diesen Bericht, der sich mit Bildung, Ausbildung und Erwerbsarbeit beschäftigt die Sozialwissenschaftlerin Dagmar Kimmeskamp. Auffällig sind einige „Konstanzer Eigenheiten“. So leben in Konstanz überdurchschnittlich viele ältere Einwohnerinnen. 23,1 Prozent, also fast ein Viertel aller Frauen sind 65 Jahre oder älter. In Freiburg sind es 11 Prozent, im bundesdeutschen Durchschnitt 15,1 Prozent. Eine wichtige Erkenntnis, von der die Frauenbeauftragte wünscht, daß sie in Zukunft bei allen kommunalpolitischen Entscheidungen mitbedacht wird. An den Hauptschulen in der Bundesrepublik hat sich der durchschnittliche Anteil von Mädchen in den letzten Jahren stark verringert. 1984 waren es nur noch 45,8 Prozent. Unter diesem Aspekt ist der Anteil Konstanzer Hauptschülerinnen mit 54,2 Prozent auffallend hoch. Entsprechend niedrig ist der Anteil an Gymnasiastinnen. Geringere Schulbildung bedeutet immer auch, schlechter bezahlte Arbeit. So waren 1987 denn auch 93 Prozent aller Lehrlinge im Friseurberuf weiblich. Die Konstanzer Frauenbeauftragte wünscht sich, daß „typisch weibliche“ Berufe mehr von jungen Männern gelernt werden. Erfahrungsgemäß brächte dies eine Aufwertung und somit auch eine bessere Bezahlung. Schwierig ist es für Mädchen immer noch, in sogenannten „Männerberufen“ unterzukommen: „So dürfte der Konstanzer Betrieb keine Ausnahme sein, der, — wie vom Arbeitsamt zu hören war — nachdem die vakante Lehrstelle nicht mit einem männlichen besetzt werden konnte, erst dann bereit ist, eine weibliche Auszubildende einzustellen, wenn kein .Ausländer' zu finden ist" heißt es in dem Bericht. Auch berufliche Selbständigkeit ist eine Domäne des Mannes. „Nur bei etwas mehr als einem Viertel der Selbständigen in Konstanz ist eine Frau ihre eigene chefin." Bei der Stadtverwaltung kommen Frauen in den besser vergüteten Einkommensgruppen kaum vor. Im Vergleich zu anderen, zufällig ausgewählten Städten wie Karlsruhe oder Bochum ist die Unterrepräsentanz „einschneidend". Deutlich wird in dem Bericht auch, daß Frauen in der Region Konstanz “über ihre Beteiligung am Erwerbsleben hinaus, von Arbeitslosigkeit betroffen sind.“ „Mit dem Frauenbericht Teil 1“, faßt die Frauenbeauftragte zusammen, „wird der Gegensatz innerhalb einer Frauengeneration deutlich, die einerseits ein hohes Bildungsniveau und eine starke Berufsorientierung hat, wie noch keine Frauengeneration vor ihr, die aber auch eine noch bestehende Diskriminierung in der beruflichen Ausbildung, in der Erwerbswelt, als arbeitslose und arbeitssuchende Frau, als niedrig Verdienende, als von Sozialhilfe eher Betroffene erfährt.“ — (db)

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