Schnüffelstaat ohne Ende
Bern (Schweiz). Schnüffelstaat Schweiz ohne Ende. Immer wieder werden gesetzeswidrige Dateien im Alpenstaat entdeckt. Der neueste Fund: Rund 200 „Strichjungen und Homomeldekarten“ sowie eine unbekannte Zahl an „Dirnenmeldekarten". Seit 1977 wurden die besagten Fichen mit viel Akribie von der Berner Kantonspolizei geführt. Nicht nur, daß auf dieser „Meldekarte" neben persönlichen Daten auch Rubriken wie „Bisexuell“, „Transvestit“, „Fetischist“, „Dieb“, "Räuber", „Femininer Typ“ und „Tierhalter angekreuzt wurden; auch Einträge zum privaten Leben erfreuten sich staatlichem Interesse. Vom Lebenspartner, den Umgangspersonen, den aufgesuchten Lokalen und Fahrzeugkennzeichen bis zum Spitzenamen war bis vor vier Wochen alles von polizeilicher Wichtigkeit. Der Berner Polizeisprecher Schneider bestätigte gegenüber den „Kommunalen Berichten“, daß die Dateien bis zu diesem Zeitpunkt geführt wurden. Und gelöscht werden sollen sie in absehbarer Zeit auch nicht. „Erst brauchen wir ein neues Polizeigesetz". war der Kommentar des Pressesprechers dazu. Den Herausgeber der Basler und Berner Schwulenzeitscnrift „comeoutl“, Peter Themen, wundert es, daß „die Polizei heute immer noch so Angst vor Schwulen hat, daß sie sogar Karteien anlegt". Seine Empfehlung: „Man sollte psychiatrische Therapiekurse für die Beamten und Polizisten einrichten. Aber auch davor haben sie ja Angst“, beschreibt der 34-jährige die für ihn krankhaften Angstneurosen mancher Behörden gegen Schwule. — (mas)