Heft 13 vom 27.06.1990 2/12 scan 2026-05-10

Sexismus in der Sprache

Frauensprache : Sprache der Veränderung


Sexismus in der Sprache

Frauensprache: Sprache der Veränderung

Sexismus in der Sprache Aus dem Fremdwörterduden (Meyers Lexikonverlag), erfährt trau. Sexismus ist eine „Grundeinstellung, die darin besteht. einen Menschen auf Grund seines Geschlechts zu benachteiligen; insbesondere diskriminierendes Verhalten gegenüber Frauen.“ Feministische Sprachkritikerinnen würden den Satz umschreiben. Sie würden schreiben: „auf Grund ihres Geschlechts“. Grammatikalisch ist der Satz dann falsch, da auf Mensch mit einem maskulinen Pronomen er, der oder ein referiert wird und nicht mit sie. die oder eine. Der Duden sagt „insbesondere“ Frauen sind von Sexismus betroffen. Anscheinend nur Frauen männlichen Geschlechts. Wie geht das?

Ein anschauliches Beispiel dafür. daß der Mann in der Sprache die Norm ist und die Frau die Ausnahme bildet bzw. erst an zweiter Stelle steht, sogar dann, wenn sie, um den Satz einen Sinn zu verleihen, an erster Stelle stehen müßte. Sexismus (in der Sprache) — so einleuchtend kann der Duden sein.

Warum bestehen Frauen auf eine Feminisierung der Sprache? Männer finden das oft unplausibel, unökonomisch, kleinlich, sie fühlen sich in ihrer Sprachvielfalt eingeschränkt und zuletzt ist es ihnen einfach gleichgültig. Wir bestehen darauf, weil „wir uns durch die Sprache, die wir sprechen, mehr definieren, als durch alles andere“ (Trömel-Plötz). Die Sprache macht den Hauptteil unseres Handelns aus. Deshalb dürfen wir über die sprachliche Diskriminierung von Frauen nicht leichtfertig hinwegsehen. Die Linguistin Senta Trömel-Plötz hat analysiert, wie Frauen von der Sprache behandelt werden; dabei ging sie nach zwei Kriterien vor. Sie klopfte die Sprache auf Wörter, Wortgruppen oder Satzbildungen ab, sie untersuchte also Sprache als gammatikalisches System und als nächstes analysierte sie Sprache kommunikativen Situationen. Dabei kam sie zu folgenden Ergebnisse; — Um Frauen anzusprechen, müssen wir uns oft umständlich ausdrücken. Wir sagen dann z.B. Leserinnen und Leser, Leserinnen, an alle weiblichen und männlichen Leser etc. — weibliche Formen werden gewöhnlich durch Suffixe von den männlichen gebildet und nicht umgekehrt; Gott—Göttin. Amtsmann—Amtsmännin etc., aber nicht: Krankenschwester —Krankenbruder. — Weibliche Formen fehlen zu: General, Passagier, Bauherr etc.

— Nomina u. Verben, die Frauen in irgendeiner Weise beschreiben verbinden wir mit negativen Assoziationen: Altjungfernstand—Junggesellenstand od. frauen haben eine böse Zunge, Männer sind dagegen ironisch etc.

Frau Trömel-Plötz' Arbeit zeigt Ungleichheiten in unserem Sprachsystem auf, die belegen, daß das maskuline Geschlecht die Norm und feminine Formen die Abweichung ist. Luise F. Pusch, eine andere feministische Linguistin schreibt dazu zusammenfassend: „Eine Faustregel, wie Frauenfeindlichkeit zu entlarven ist, lautet: .Eine Aussage, die bei einer Übertragung auf Männer komisch, bizarr oder beleidigend wirken würde, ist frauenfeindlich' — zitiert nach Sigrid Löffler“ (Die Zeit Nr. 50, 4.12.81).

Auch die Untersuchungen zum weiblichen Sprachverhalten weisen auf eine Benachteiligung der Frauen hm. Frauen werden wesentlich häufiger als Männer mißverstanden, unterbrochen, ignoriert, bevormundet, entwertet etc. Ihre Redebeiträge sind knapper und höflicher gefaßt und ihre Aussagen oft abgeschwächt. Redewendungen wie: Es scheint, daß. . ., Ich würde sagen. . ., ich würde mich freuen.. . etc. Die Erwartungen an eine Frau, wenn sie spricht oder schreibt, sind keineswegs neutral. Dies wußten die Autorinnen des 19. Jahrhunderts (z.B. George Sand) die ihre Werke unter männlichen Pseudonymen veröffentlicht haben. Es ist bekannt, daß die Erwartungen eines relevanten Gegenübers auch Motivation und Leistung beeinflußen. Die Leistungen sind niedriger, wenn von uns weniger erwartet wird.

Es ist wichtig, daß Frauen und Männer ihr sprachliches Bewußtsein schärfen. „Nicht nur das Bewußtmachen von Diskriminierung läuft über die Sprache, sondern auch die Auflösung der Vorurteile. Das neue Bewußtsein drückt sich durch neue Sprache aus.“

Quellenhinweis: Luise F. Pusch. Das Deutsche als Männersprache. Frankfurt/M. 1984; Senta Trommel-Plötz. Frauensprache: Sprache der Veränderung. FrankfurVM. 1982 — (and)

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