Missstände bei der Radolfzeller Firma Schiesser
Mißstände bei der Radolfzeller Firma Schiesser
Radolfzell. Durch erhebliche Mißstände macht seit einiger Zeit die Firma Schiesser in Radolfzell, bekannter Unterwäschehersteller, von sich reden. Der Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz ist oft mangelhaft, zum Beispiel ist die Absaugung von gesundheitsschädlichen Stoffen sehr schlecht. Das betrifft beispielsweise Ammoniak und Chemikalien, die zur Textilherstellung verwendet werden. Dies ist das Ergebnis einer Politik der größtmöglichen Einsparungen — auf Kosten der Beschäftigten. Auch über oft unerträgliche Hitze wird geklagt. Der Betriebsrat läßt sich immer | wieder auf Betriebsvereinbarungen ein, die auf Kosten der Beschäftigten gehen. (Nach dem Betriebsverfassungsgesetz von 1952 ist der Betriebsrat aus der gewerkschaftlichen Interessenvertetung herausgelöst und steht als „neutrales“ Organ zwischen Lohnabhängigen und Kapitaleignern.) So willigte der Schiesser-Betriebsrat für zwei Wochen in die Einführung einer 7-Tage-Woche ein. Frauen erhalten zwei Mark weniger als Männer, die die gleiche Tätigkeit verrichten (eine Praxis, mit der die Firma Schiesser leider keine Ausnahme darstellt). Kopfschütteln über die Zustände in der Firma Schiesser mußte ein Artikel in der Radolfzeller Ausgabe des „Südkurier" hervorrufen, der dort in der dritten Maiwoche erschien. Der „Südkurier" titelte bezeichnenderweise (sinngemäß): Nur die Leistungsfähigen überleben. Es handelte sich dabei um ein Zitat eines Mitglieds der Schiesser-Geschäftsleitung auf einer Jubiläumsveranstaltung für sogenannte verdiente alte Mitarbeiter. — (bhs)