Heft 15 vom 25.07.1990 2/15 scan 2026-05-10

Die "Krake Gottes" in der Schweiz

Heftiger Widerstand gegen den neuen Bischof der Diözese chur


Die „Krake Gottes“ in der Schweiz

Heftiger Widerstand gegen neuen Bischof der Diözes Chur

Kirchenkampf unter den Katholiken in der Schweiz: Klerus und Kirchenbasis laufen seit Wochen mehrheitlich Sturm gegen die Ernennung des Rechtsextremisten Wolfgang Haas zum Bischof der Diözese Chur, die sechs Schweizer Kantone, darunter auch die Kantone Graubünden Zürich (und Liechtenstein), umfasst. Seitdem der Vatikan den Fundamentalisten Haas am 22. Mai zum Diözesan-Bischof ernannt hat, reißt der Proteststurm nicht mehr ab. Viele katholische Organisationen verlangen seine Abdankung, Kirchengemeinden laden Haas aus, das katholische Landeskirchenparlament Graubünden fordert die Bischofskonferenz auf, Haas zum „freiwilligen“ Rücktritt zu bewegen, das Bündner Kantons-Parlament erkennt seine Wahl gleich gar nicht an. In kirchlichen und öffentlichen Gremien wird die Forderung laut, die Zahlungen an den Vatikan einzustellen, und Kirche und Staat zu trennen. Vorläufiger Höhepunkt der katholischen Unbotmäßigkeit: eine Demonstration am 18. Juni im Bischofssitz Chur, bei der an die 7000 Menschen gegen Haas protestierten. In einer Resolution forderten sie, der Bundesrat solle beim Vatikan vorstellig werden, um das „traurige und unwürdige Kapitel“ zu beenden.

Begonnen hat die Affäre Haas 1987: Im November dieses Jahres richtete der Papst das Amt eines Weihbischof mit Nachfolgerecht auf den Diözesen-Bischof ein. Mit diesem Vorgehen wollte Rom das Domkapitel, traditionell Wahlbehörde, ebenso ausschalten wie die „weltliche Obrigkeit“, ebenfalls seit Jahrhunderten mit Vorschlagsrecht. Anfang 1988 schanzte der zweite Johannes-Paul dem Rechtsaußen Haas das Weihbischofamt zu, schon damals nicht ohne Proteste. Im Mai 1990 war es dann soweit: Amtsinhaber Vonderach reichte seine Demission ein, Haas rückte nach; eine seiner ersten Amtshandlungen war die Entlassung des Zürcher Generalvikars Gebhart Matt, eines Exponenten des linken Kirchenflügels.

Hintergrund der Proteste ist jedoch nicht nur die Art, wie Rom den neuen Bischof ins Amt gehievt hat, sondern auch dessen politischer Standort. Haas macht keinen Hehhl daraus, daß er Sympathisant der rechtsextremen Kirchensekte Opus Dei („Werk Gottes“) ist. Die konspirativ arbeitende Sekte hat sich zum Ziel gesetzt, das Christentum von „Modernismus, Subjektivismus. Marxismus und Materialismus“ zu befreien, so ein abtrünniger Opus-DeiMann. Das 1928 in Spanien gegründete „Werk“ zog mit eigenen Kampftruppen für den Hitler-Faschismus in den Krieg, stellte im Franco-Spanien teilweise mehr als die Hälfte der Minister, beriet und finanzierte den chilenischen Diktator Pinochet. Heute ist die „Krake Gottes“, wie sie im Gründerland Spanien häufig genannt wird, mächtige ökonomisch-politische Kraft deren klerikal-faschistische Ideologie großen Einfluß im Vatikan hat. Quellen: Der Tagesanzeiger. Ausgaben Juni/ Juli 90: WoZ. 8.6.. 23.6. — (jüg)

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