Demonstration gegen Faschisten-Aufmarsch
Demonstration gegen Faschisten-Aufmarsch
„Sorgen wir für ein ein endgültiges Begräbnis von Rudolf Hess!“
Am 17.8.1987 endete der Stellvertreter Hitlers, Rudolf Hess, im Gefängnis in Berlin-Spandau durch Selbstmord. Das Gebäude wurde abgerissen, um zu verhindern, daß es ein Wallfahrtsort für Faschisten wird. Nun treffen sie sich jedes Jahr an seinem Grab in Wunsiedel. 1988 waren dort etwa 150 Nazis, 1989 waren es bereits 350. Für 1990 wurde weltweit mobilisiert, nach Angaben aus Faschistenkreisen werden dieses Jahr 2000 Anhänger des von ihnen als „Märtyrer für Deutschland“ bezeichneten Hess erwartet. Viele davon kommen aus der DDR.
Überall nehmen Überfälle, Schmierereien, schwerste Körperverletzungen, Brandbombenanschläge und sogar Morde durch Faschisten zu. Sie begnügen sich nicht mehr damit, zu agitieren und das Land mit ihren Schriften zu verseuchen. Gewalt gehört jetzt auch offen zu ihrem Programm. Dies ist ein Ergebnis der jahrelangen Verharmlosung: Faschoschläger werden in der Presse als „randalierende Jugendliche" abgetan, Organisationen als „Ewiggestrige“, ihre Terrorakte sind laut BRD-Justiz nur „Aktionen von Einzeltätern".
Wunsiedel ist der Ort, an dem sich Faschisten aller Gruppen treffen. Dort vergessen sie ihre internen Streitereien und demonstrieren Einigkeit in ihrer menschenverachtenden Ideologie. Der Aufmarsch der Faschisten ist kein regionales Problem. Bisher waren große, öffentliche Auftritte, bei denen sie die Sympathie der Bevölkerung gewinnen konnten, kaum möglich. Insofern hat der „Aufmarsch“ in Wunsiedel eine völlig neue Qualität. Dort treten sie in geordneten Dreier- und Viererreihen an und vermitteln so den Eindruck, als seien sie die „Elite der Nation" im Gegensatz zu den Gegendemonstrantinnen. Nazi-Führer Christian Worch sagte in seiner Rede in Wunsiedel 1989: „Was ich hier sehe, ist anständiges, positives, kerndeutsches Menschenmaterial“.
Aber nicht nur bei der Bevölkerung versuchen sie ein solches Bild zu vermitteln. Auch bei Behördenvertretern steckt ein solches Bild in den Köpfen. Bei einem Gespräch in der Stadtverwaltung wurde der Anmelderin der Gegendemonstration gesagt, es bestünden keine Bedenken, den Rechten wieder den städtischen Volksfestplatz zu überlassen, da sie ihn im letzten Jahr sauber und ordentlich hinterlassen hätten.
Es zeichnet sich ab. daß Nazi-Aufmärsche salonfähig werden, und gerade darauf zielen solche Veranstaltungen wie in Wunsiedel ab. Es wird „übersehen", welche faschistischen und nationalsozialistischen Inhalte verbreitet werden, und welche Gruppierungen und Leute hier gemeinsam auftreten, um ihre Ziele zu erreichen.
Allein die Einstellung der Behörden zeigt, wie weit die Akzeptanz solcher Auftritte schon geht. Allenfalls die „Nichtbeachtung der Nazis“ wird als erfolgversprechende Methode, die Rechtsextremisten wieder loszuwerden, anerkannt. So sagte der Bürgermeister von Wunsiedel im letzten Jahr: Wenn wir sie nicht beachten, machen sie sich lächerlich und verschwinden , wieder.“
Sicherlich gibt es kein sicheres Allheilmittel gegen Nazis, aber stillschweigend hinzunehmen, daß Rechtsterroristen, Nationalsozialisten. Mörder und Schlägertrupps mit behördlicher Genehmigung und unter Polizeischutz durch die Straßen ziehen und dabei die NS-Zeit und deren „Führer“ verherrlichen, den Mord an sechs Millionen Juden als Lüge hinstellen, und Drohungen gegen Juden, Linke und Ausländerinnen lautstark verbreiten trägt mit Sicherheit nicht dazu bei, daß dieser „braune Spuk“ einfach von selbst wieder verschwindet. Die Gegendemonstration tritt dafür ein, den Aufmarsch der Faschisten zu unterbinden. Sorgen wir für das endgültige Begräbnis von Rudolf Hess und der menschenverachtenden Ideologie für die er steht. — (db)
Die Demonstration gegen die Faschisten findet em 18. August um 13.30 Uhr in Wunsiedel statt. Der geplante Naziaufmarsch beginnt um 1630 Uhr.