Missglückte Beerdigung
Mißglückte Beerdigung
Etwa 1 000 Faschistinnen, überwiegend Skinheads, circa 3000 Antifaschistinnen, hauptsächlich Autonome und Punks und 1600 Bereitschaftspolizisten, Bundesgrenzschutz und USK, eine bayrische Sondereinheit, trafen in Wunsiedel aufeinander. Anlaß war eine Demonstration der Faschisten, die diese jedes Jahr am Todestag Rudolf Hess' an seinem Begräbnisort abhalten. Während die Antifaschistinnen schon vor Wunsiedel in Polizeikontrollen aufgehalten und nach Waffen durchsucht wurden, kamen die Skins gut bewaffnet auf ihrer Demonstration an. Ziel der Gegendemonstrantinnen war, den Faschoaufmarsch in Wunsiedel zu verhindern. Dies gelang nicht, weil die Polizei jeden Versuch, zu der Veranstaltung der Nazis zu gelangen, mit ihren Tonfas (Schlagwaffen der Sondereinheiten) verhinderte. Die Antifaschistinnen wurden stundenlang eingekesselt, eine Gruppe von mehreren hundert Antifaschistinnen, die die Polizeisperre durchbrochen hatten, um die Nazis anzugreifen, wurden durch die USK-Schläger in kleinere Gruppen zersprengt, so daß schließlich etwa 20 Menschen auf mehr als hundert Skins trafen, die mit Baseballschlägern bewaffnet waren. Zudem stürmte die Polizei heran und prügelte die Antifaschistinnen, die schon auf der Flucht waren, mit ihren Knüppeln eine Hauswand entlang. Ein Antifaschist wurde zudem von einem Pirmasenser Skinhead mit einer Pistole bedroht. Sieben Antifaschistinnen mußten nach den Einsätzen der Polizeischläger ihre Kopfwunden nähen lassen.
Da die eingekesselten Antifaschistinnen die Demoroute der Faschisten blockierten, wurde deren Zug schließlich umgeleitet. Die Bevölkerung der Stadt stand ungerührt am Straßenrand und protestierte nicht gegen den Naziaufmarsch. Die Antifaschistinnen konnten der Naziparole „Rudolf Hess, Märtyrer" nur ihre Parole entgegenrufen: „Rudolf Hess, Mörder von Millionen". — (db)