Antifaschisten können Aufmarsch nicht verhindern
Antifaschisten können Aufmarsch nicht verhindern
Laut Presseberichten nahmen dieses Jahr in Wunsiedel etwa 1000 Neonazis an einer Gedenkkundgebung zum dritten Todestag des ehemaligen HitlerStellvertreters Rudolf Heß teil. Die angegebene Zahl von 4000 Antifaschisten scheint etwas übertrieben zu sein. Wunsiedel ist jetzt tatsächlich auf den besten Weg, zu einem Wallfahrtsort für militante Faschisten, z.T. aus ganz Europa, zu werden. Faschisten aus Holland trugen einen Ärmelstreifen „Gau Niederlande“, andere kamen aus Belgien, Großbritannien, Italien, Österreich und vor allem der DDR. Die Polizei schritt gegen uniformähnliche Aufmachungen nicht ein, obwohl z.B. einige Faschisten in fast vorschriftsmäßiger SA-Aufmachung teilnahmen. Bewußt konnten die Faschisten auch gegen Auflagen der Genehmigungsbehörde verstoßen. So würde immer wieder die verbotene erste Strophe der Nationalhymne angestimmt, der sogenannte Widerstands- und der Hitlergruß entboten und „Sieg Heil“ skandiert. Die Polizei beließ es bei ergebnislosen Aufforderungen, dies zu unterlassen. Einige tausend Antifaschisten demonstrierten zuvor durch Wundsiedel, aber es gelang weder, im Vorfeld die Behörden zu einem Verbot des faschistischen Aufmarsches zu zwingen, noch gelang es, den Aufmarsch der Faschisten selbst zu stoppen. Eine Hundertschaft USK und weitere Hundertschaften aus der Bereitschaftspolizei und dem BGS schützten den Kundgebungsplatz und den anschließenden Gedenkmarsch der Faschisten. Leider gelang es nur den autonomen Antifa-Gruppen gut zu mobilisieren, das breite Bündnis, das sich unter dem Aufruf des Arbeitskreis gegen alte und neue Nazis (Wunsiedel) stellte, war eher ein Papiertiger. So gelang es der Polizei auch, die Antifaschisten in Schach zu halten und das USK konnte sich Prügeleinsätze gegen die autonomen Antifaschisten erlauben. Ohne ein breites Bündnis aber wird es nicht zu verhindern sein, der aufkommenden faschistischen Szene hier und anderswo wirksam entgegentreten zu können. Kritisiert werden muß, daß die Information und Einbeziehung der Bevölkerung mangelhaft war. — (chl/Red.)