Heft 23 vom 14.11.1990 2/23 scan 2026-05-10

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland Antideutsche Demonstration am 3.11



Der Tod ist ein Meister aus Deutschland Antideutsche Demonstration am 3.11

10000 Menschen nahmen am 3.11. in Berlin an einer internationalistischen und antifaschistischen Demonstration teil, die sich „gegen deutschen Nationalismus, Rassismus und Imperialismus“ richtete und unter dem Motto „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ (aus dem Gedicht „Todesfuge“ von Paul Celan) stand. Dies sind weniger Teilnehmer/innen, als die antinationale Demonstration am 12. Mai in Frankfurt („Nie wieder Deutschland") auf die Straße brachte, aber annähernd das gleiche Spektrum. Entstanden war das Projekt dieser Demo wie auch der Demo am 12.5. aus dem Spektrum der Radikalen Linken und diente der Fortsetzung der antinationalen Kampagne, deren nächste Etappe der Kongreß „Außerparlamentarische Opposition gegen Deutschland“ am Wochenende der Reichstagswahlen bilden wird.

Im Vorfeld der Demonstration gab es 53, anderen Angaben zufolge, 64 Festnahmen. Die Polizei erklärte im Vorfeld, die Demonstration gegen faschistische Übergriffe schützen zu wollen; vor Ort hieß es dann von Seiten der Polizeiführung, auch Vermummung sei eine Form des Faschismus! Die Polizei fuhr offensichtlich eine knallharte Linie gegen die Demonstration. Obwohl die Demonstrationsroute durch das Scheunenviertel (in den 20er Jahren lebendiger Ausdruck jüdischen Lebens in Berlin, in den 30er Jahren Ort jüdischen Sterbens) genehmigt worden war, wollte die Polizei vor Ort die Demonstration diese Route nicht nehmen lassen. Dadurch wurde die geplante Zwischenkundgebung an der Synagoge in der Oranienburgerstraße, die in der sogenannten Reichskristallnacht vom 8. auf den 9. November 1939 angezündet worden war, verhindert; ein politischer Skandal, der wieder einmal das häßliche Deutschland mit seiner ungeschminkten Fratze hervortreten ließ. — (bhs)

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