Heft 24 vom 28.11.1990 2/24 scan 2026-05-10

Immer mehr Menschen auf der Straße



Immer mehr Menschen auf der Straße

Im folgenden dokumentieren wir Auszüge aus eine Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft Gefährdetenhilfe und Jugendschutz (AGJ) um zu zeigen, daß sich auch andere Gruppierungen mit diesem Thema beschäftigen und daß es trotz zum Teil unterschiedlicher Forderungen durchaus auch Gemeinsamkeiten gibt. — (red)

Die akute Wohnungsnot, überfüllte Notunterkünfte, Billigpensionen und -heime zwingt immer mehr wohnungslose Menschen auf die Straße. Ohne Dach über dem Kopf drohen ihnen besonders im bevorstehenden Winter starke gesundheitliche Beeinträchtigungen, Erfrierungen. Vielfach wird es Todesfälle geben.

Wie der Fachreferent für den Bereich Nichtseßhaftenhilfe in der AGJ in der Erzdiözese Freiburg, Hubert Damm, mitteilt, nimmt die Verelendung auf der Straße zu. Die Mitarbeiter in den Facheinrichtungen und Beratungsstellen werden mit immer mehr Menschen konfrontiert, die in ihrer Situation aussichtslos resigniert haben und nur noch um das Überleben kämpfen. Aggressionen untereinander und gegen Mitarbeiter bleiben im Kampf um die wenigen Heimplätze nicht aus.

In zunehmendem Maße müssen die Betroffenen direkt auf der Straße versorgt werden, da keine Unterkunftsmöglichkeiten bereitstehen. Diese Situation führt zu verstärkten Erkrankungen der Personen, die eine zielgerichtete Arbeit aus der Wohnungsnot heraus nicht mehr möglich macht.

Dieser „Trend" zeigt sich auch im Landkreis Konstanz. So werden in Radolfzell um die 15 Menschen nur auf der Straße versorgt. In Konstanz sogar 40!

Aus diesem Grunde appeliert die AGJ an alle Bürger, Wohnraum für die Versorgung bereitzustellen.

...Nötigenfalls müssen die Kommunen zur Versorgung wohnungsloser Menschen bereit sein, leerstehenden Wohnraum zu beschlagnahmen. Bund und Land müssen mehr Geld für sozialen Wohnungsbau bereitstellen. Armut und Wohnungslosigkeit darf in unserem Land nicht länger tabuisiert werden.

Deshalb fordert die AGJ den Landkreis und die Kommunen auf, sozialplanerische Daten für die Wohnungsversorgung zu erheben und alle Wohnungsnotfälle aus den verschiedensten Bereichen und Gruppen zu dokumentieren.

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.