Heft 24 vom 28.11.1990 2/24 scan 2026-05-10

Skinhead-Terror in Ravensburg

Eskalation faschistischer Gewalt/RavensburgerInnen fordern Ende des Terrors


Skinhead-Terror m Ravensburg

Eskalation faschistischer Gewalt/RavensburgerInnen fordern Ende des Terrors

In Ravensburg eskalieren seit Monaten die Gewalttaten faschistischer Skinheads. Seit im Frühsommer das Lokal „Backstreet“ eröffnete, das bald zum Treffen der Skins aus der Region wurde, sind Überfälle und Verletzte an der Tagesordnung.

Am 25. Juli wurden nachts die Scheiben der Szenekneipe „Räuberhöhle" eingeworfen. Als vier der Wirte dieser Kneipe hinausrannten, brachen die Angreifer Bierflaschen ab und gingen damit auf die Männer los. Einer erlitt Platzwunden am Kopf, die drei anderen Prellungen. In der folgenden Zeit wurden häufig Menschen angegriffen. Einige Beispiele: Am 20. September wurde ein Farbiger von einer Skinfrau angespuckt und beleidigt. Schließlich kam eine Gruppe Skins als Verstärkung dazu. Der Mann konnte flüchten. In der Nacht des gleichen Tages wurden Menschen, die zu ihren Autos gingen, von zehn Skinheads angegriffen. Sie konnten in ihren Autos flüchten, während diese mit Steinen beworfen wurden.

In der Nacht vom 2. zum 3. Oktober wurde im „Backstreet“ eine „Wiedervereinigungsfeier" abgehalten. 15 bis 20 Skins rotteten sich vor dem „Backstreet“ zusammen und brüllten „Juden vergasen", „Rotfront verrecke" und „Ausländer raus". Später wurde in der Innenstadt ein Ausländer von sieben Skins angegriffen. Sie versuchten, ihm eine Eisenstange auf den Kopf zu schlagen.

Am 12.Oktober wurde die „Räuberhöhle" von Skins angegriffen, drei Skins kamen in das Lokal, wurden aber wieder hinausgedrängt. Vor der „Räuberhöhle“ wurden drei Menschen, die in die in das Lokal wollten, von 10 bis 15 Skins mit Fußtritten traktiert. Daraufhin kamen ihnen Besucherinnen der „Räuberhöhle" zu Hilfe. Einige Skinheads prügelten auf die Herauskommenden ein. Es kam zu einer Schlägerei, in deren Verlauf ein Skinhead schwer verletzt wurde.

Am 27. Oktober wurde eine Frau von Skinheads angegriffen und verletzt. In der gleichen Nacht wurde in der Innenstadt von Ravensburg ein Mann von zwanzig Faschisten angegriffen. Er wurde mehrfach brutal ans Schienbein getreten. Am 29.10 wurde die „Räuberhöhle" von 30 faschistischen Skinheads angegriffen.

In der Nacht vom 3. auf den 4. November wurde die Polizei von mehreren Anwohnerinnen darauf aufmerksam gemacht, daß sich die Skinheads vor dem „Backstreet" zusammenrotteten und einen Angriff auf die „Räuberhöhle“ planten. Die Beamten sagten, sie könnten nichts tun, es gäbe zu wenig Polizisten. Allerdings wurde verstärkt Streife gefahren. Im „Backstreet“ wurden Lieder gesungen mit Texten wie „bis daß das Judenblut vom Messer spritzt“. Nachdem das Lokal geschlossen wurde, randalierten 30 bis 50 Skins vor der „Räuberhöhle“. Sie warfen Scheiben ein und bedrohten Passantinnen und Gäste. Sobald die Polizei vorbeifuhr zogen sich die zum Teil maskierten Skins zurück, kamen aber sofort wieder zurück. Als es nicht mehr möglich war, die „Räuberhöhle“ zu verlassen, bildeten die Beamten eine Kette, damit die Gäste hinaus konnten. Einer der letzten Gäste, wurde von einem Skinhead zusammengetreten. Er mußte stationär im Krankenhaus aufgenommen werden. Die Skins zogen weiter zum „Institut“, dort waren nur noch wenige Gäste, darunter ehemalige Skinopfer. Die Faschisten erzwangen Freibier und schlugen mehrere Anwesende zusammen. Vor dem Lokal schossen sie ein ganzes Magazin CSGas leer. Die Polizei, etwa ein Dutzend Beamte und ein Hund, war hoffnungslos überfordert.

Am 10. November wurde die „Räuberhöhle“ wieder überfallen. Anschließend randalierten die Skins in den Straßen von Ravensburg. In dieser Nacht sollen etwa zwanzig Skinopfer in die Krankenhäuser in der Umgebung der Stadt eingeliefert worden sein.

Die Ravensburgerinnen wollen diesen ständigen Skinheadterror nicht mehr dulden. In einer Zeitungsanzeige in der Schwäbischen Zeitung forderten sie Stadtverwaltung und Polizei dazu auf, dafür zu sorgen, „daß wir sicher auf Ravensburgs Straßen gehen können“. - (db)

Demonstration in Ravensburg: Aus Angst wird Solidarität; gemeinsam gegen Faschistenterror

Samstag, 15. Dezember. 14.00 Uhr, Marienptatz. Ravensburg

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