Veranstaltung: Der Golfkrieg und die Situation in Kurdistan
Veranstaltung: Der Golfkrieg und die Situation in Kurdistan
Voraussichtlich Ende Januar wird in Konstanz eine Veranstaltung über die Situation in Kurdistan stattfinden. Referent/m wird ein/e Vertreter/in von „medico international" sein; angefragt ist der einigen wohl bekannte Hans Branscheidt Die Veranstaltung wird getragen durch das Bündnis, das sich gebildet hat, um in Konstanz Aktivitäten gegen den Golf-Krieg durchzuführen. Darin vertreten sind Friedensinitiative KN, Frei Grüne Liste KN, Alternative Linke Linke KN. Kurdistan Komitee KN und die Initiative gegen Atomanlagen KN Im Windschatten des drohenden Golfkriegs spitzt sich die Vernichtungspolitik der türkischen Regimes gegen das um seine Unabhängigkeit kämpfende kurdische Volk dramatisch zu. Wieder einmal benutzt ein Regime des Mittleren Ostens eine kriegerische Situation in der Region, um den kurdischen Widerstand zu unterdrücken oder gar, um zum finalen Schlag gegen die Kurd-inn-en insgesamt auszuholen. Seit Jahrzehnten wird das kurdische Volk im Mittleren Osten zwischen den diversen Regimen und Staaten wie zwischen Mühlsteinen zerrieben Nachdem Staatsgrenzen im Mittleren Osten willkürlich neu, entsprechend ihrer Einflußsphären und Interessen, und teilten d e Region in neu aus der Taufe gehobene Staaten (Syrien. Irak) auf. Bei dieser kolonialistischen Grenzziehung mit oem Lineal auf dem Reißbrett wurde das drittgrößte Volk im Mittleren Osten — das kurdische mit heute rund 25 Millionen Menschen bei den Staatengründungen einfach "vergessen" oder besser: übergangen. So wurde Kurdistan auf vier Staaten aufgeteilt: Persien (seit 1935 Iran) Irak, Syrien und die Türkei. In all diesen vier Staaten werden die Kurd-inn-en bis auf den heutigen Tag unterjocht.
Besonders brutal ist seit eh und je die "Behandlung der Kurdenfrage" in der Türkei. Seit die nationalistischen „Jungtürken" des Mustafa Kemal „Atatürk" (bis 1938), die um 1910 hochkamcn und nach dem Ende der osmanischen Sultane die junge türkische Republik regierten, wird in der Türkei allgemein eine blutige chauvinistische Politik gegen die nationalen Minderheiten betrieben. beginnend mit dem Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs, dem 1915/16 der Großteil der armenischen Minderheit — eine Million Menschen — zum Opfer fiel. Nach offizieller Lesart gibt es in der Türkei überhaupt keine Kurden, darf es keine geben; es gibt nur Türken in der Türkei (allenfalls noch „Bergtürken“). Wer etwas anderes behauptet, dem/r kann es übel ergehen. Mit brutaler Unterdrückung aller nicht-türkischen Völker will sich die Türkei den Imperialisten als „Ordnungsfaktor" in der Region anzupreisen.
Brutal hervorgetan hat sich in der „Kurdenfrage" aber auch das irakische Regime unter Saddam Hussein. Eine halbe Million Kurd-inn-en wurde bis heute aus dem kurdisch bewohnten Nordirak zwangsumgesiedelt und in absolut militärisch bewachten, künstlichen „strategischen Siedlungen" angesiedelt. 60 80% der kurdischen Siedlungen im Nordirak wurde zerstört. Man versuchte, mit Arbeitsimmigranten aus Ägypten und anderen arabischen Staaten den Nordirak „aufzufüllen“. Entlang der irakischen Nordgrenze wurde eine “Todeszone" mit 30 km Breite absolut entvölkert. 10.000 Kurdinnen starben durch Giftgas.
Bisher waren das türkische Özal-Regime und der irakische Diktator Saddam Hussein enge Komplizen, wenn es um die Vernichtung des kurdischen Volkes ging. 1987 schlossen die Türkei und der Irak ein Abkommen, wonach jeder Staat bis 30 km ins Landesinnere des jeweils anderen die Grenze überfliegen und die Stellungen kurdischer Unabhängigkeitskämpfer/innen bombadieren darf. 1987 bombadierte die Türkei drei mal kurdische Partisanen im Nordirak.
Nun, da der Mordkomplize Saddam Hussein für die NATO und auch für die Türkei wegen des Bedarfs nach einer neuen Zielscheibe plötzlich nicht mehr der „good guy“, sondern der „Irre in Bagdad" ist, nutzt die Türkei die Gunst der Stunde wiederum auf Kosten der Kurd-inn-en. Unter dem Vorwand des Aufmarschs gegen den Irak wurde eine halbe Million Soldaten in Türkisch-Kurdistan zusammengezogen. 500.000 Kurd-inn-en sollen vertrieben werden. 400 Dörfer wurden bisher vernichtet. Siedlungen werden niedergebrannt. Wälder abgeholzt. Vieh abgeschlachtet. Bienenstöcke, Olivenhaine und Haselnußfelder werden mit Flammenwerfern vernichtet. Die agrarische Lebensgrundlage für die Kurd-inn-en soll diesen entzogen werden. Im August 1990 teilte die Türkei dem Europarat mit, daß sie die Menschenrechte in den kurdischen Provinzen offiziell aufhebt und für ungültig erklärt.
Das Ozal-Regime hat offiziell zum Ziel erklärt, nach dem Sieg über den Irak die Landkarte des Mittleren Ostens neu zu zeichnen und dabei der Türkei die nordirakischen Provinzen Kirkuk und Mossul einzuverleiben. Damit kämen die kurdischen Provinzen im Nordirak unter türkische Herrschaft mit dem erklärten Ziel, dort einen unabhängigen Kurdenstaat zu verhindern. Bereits im iranisch-irakischen Golfkrieg hatte die Türkei offiziell erwogen, im Fall der Schwächung des Irak im Nordirak einzumarschieren und die genannten Gebiete zu annektieren, um ein Vakuum zugunsten der kurdischen Unabhängigkeitsbewegung zu verhindern.
Für die Kurd-inn-en hat der Krieg längst begonnen. Über Bundeswehreinheiten aus Nagold in Baden-Württemberg wird berichtet, sie seien an den Vertreibungsaktionen beteiligt. Die Sache hat Tradition: Im Ersten Weltkrieg waren die deutschen kaiserlichen Militärs Komplizen des türkischen Völkermords an den Armeniern. Und das irakische Giftgas zur Ausrottung der Kurdinn-en wurde auch mit bundesdeutscher Hilfe produziert. — (bhs)