Heft 2 vom 24.01.1991 3/2 scan 2026-05-17

Konstanzer Antifa-Komitee löst sich auf

Erklärung von Mitgliedern des Komitees / Entwicklung spiegelt das bisherige Konzept nicht wider


Konstanzer Antifa-Komitee löst sich auf

Erklärung von Mitgliedern des Komitees/Entwicklung spiegelt das bisherige Konzept nicht wider

Das Komitee hat im letzten Jahr eine Entwicklung genommen, die das bisherige Konzept nicht mehr widerspiegelt. Das Komitee war entstanden aus den verschiedensten antifaschistischen Strömungen. Es sollte diese zusammenführen. deren Aktivitäten koordinieren, gemeinsame Diskussionen organisieren und den Antifa-Kampf zusammenführen. Dies hat anfangs mit dem DGB. dann ohne ihn stattgefunden —- mit allen Problemen, die wir kennen. Dieses Bündnis besteht unserer Meinung nach heute so nicht mehr. Viele Leute, Initiativen und Organisationen haben sich aus dem Komitee entweder ganz zurückgezogen oder ihre praktische Mitarbeit eingestellt. Die Verbliebenen haben in den vergangenen Monaten nichts mehr praktisch umsetzen können.

Wir sehen als Faktoren: Ratlosigkeit, fehlender Konsens, unterschiedliche Vorstellungen, politische Entwicklung 4.Reich, Repression, Resignation. Um oben anzuknüpfen: das Komitee als Bündnis einer Vielfalt antifaschistischer Strömungen ist zu einer Zusammenkunft einzelner Personen geworden. Diese repräsentieren eine Vielzahl von unterschiedlichen Meinungen, die aber nur einen Teil des antifaschistischen Widerstand darstellen.

Das führte uns zu folgendem Vorschlag. Der antifaschistische Widerstand sollte auf der einen Ebene in Form von Aktionseinheiten wie z.B. REP-Veranstaltung am 19.10. organisiert werden. Auf der anderen Ebene können wir uns vorstellen, daß die Leute des Komitees ihre Aktivitäten in einer Arbeitsgruppe der ALL neu organisieren. Diese AG versteht sich nicht als Bündnis des antifaschistischen Widerstands, sondern als Teil davon. Eine AG könnte sich selbst Themenschwerpunkte suchen und so wieder handlungsfähig werden. Auf verschiedenen Treffen haben wir diese Einschätzung diskutiert und als Ergebnis fassen wir zusammen:

— Es bestand Einigkeit in der Beurteilung, daß das Komitee als breites Bündnis mit Anziehungskraft auf Andere nicht mehr besteht, daß wir aber trotz Resignation und Repression weitermachen wollen.

— Der Vorschlag fand Zustimmung. daß sich die verbliebenen Leute im Rahmen einer Arbeitsgruppe der ALL in einer neuen Struktur organisieren und wir daneben Aktionseinheiten zu konkreten Anläßen anstreben. D.h. die AG sieht sich als Teil des antifaschistischen Widerstands, soweit möglich gemeinsam mit anderen Gruppen, aber ohne den Anspruch eines umfassenden antifaschistischen Bündnisses.

— Die meisten von uns sind eh an anderen Aktivitäten der ALL mehr oder weniger beteiligt oder stehen der ALL politisch nahe.

— Die ALL — als längerfristig bestehende Organisation mit Bündnischarakter — könnte die Konstanz zukünftiger Antifa-Arbeit positiv beeinflussen. Die Situation einer neuen Initiative im „leeren Raum" wäre sehr unsicher.

— Die AG ermöglicht offenes, selbstbestimmtes Arbeiten unabhängig von einer Kontrolle etwa des ALL-Plenums. Dort kann die Arbeit der AG vorgestellt und diskutiert werden.

— Es wurden Befürchtungen geäußert. durch die Stellung als AG der ALL könnte es zu einer Einengung und Beschränkung des antifaschistischen Widerstands können oder gar zur Abschreckung potentieller Mitarbeiter durch scheinbare Bindung an eine „Partei“.

— Die Beschränkung auf eine Arbeitsgruppe ist keine Einengung möglicher Themen und Aktionsformen, sondern Ausdruck einer eher realistischen Einschätzung der Arbeitsmöglichkeiten der verbliebenen Mitarbeiter des Komitees.

— Die Möglichkeit einer Erweiterung zu einer Struktur mit größerem Bündnischarakter ist immer gegeben.

Trotz allem: ein Neuanfang ist schön und gut. und ein offensichtlich notwendiger Schritt, aber ein „Anhängen“ an die ALL und ein Arbeitskreis mit" neuem Namen bringt nicht automatisch volle Sitzungen, lebendige Aktivität und neuen Schwung.

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.