Heft 6 vom 22.03.1991 3/6 scan 2026-05-29

Newroz symbolisiert Widerstand

Kurdisches Neujahrsfest auch in Konstanz


Newroz symbolisiert Widerstand

Kurdisches Neujahrsfest auch in Konstanz

Newroz heißt auf kurdisch: der neue Tag. Newroz ist ein Volksfest der Kurden und wird in jedem Frühjahr (im März) gefeiert. Das Fest symbolisiert den Widerstand der Kurden gegen die seit Jahrhunderten währende Unterdrückung und Ausbeutung.

Der kurdische Widerstand hatte nach der Sage mit dem Schmied Kawa begonnen. Diesem Schmied gelang es, den Tyrannen Dehak, der jedes Jahr ein Kind als Opfer forderte (im Jahr 612 vor unserer Zeitrechnung) zu töten. Nach der Ermordung des Tyrannen soll Kawa ein großes, im ganzen Land sichtbares Feuer angezündet haben. Das Feuer war ein Signal für das Volk, daß ihm seine Tat gelungen und damit das Volk vom Tyrannen Dehak befreit war. Seither feiern die Kurden Newroz (auf dem Land in Kurdistan mit großen Feuern), wenn der Schnee zu schmelzen beginnt, und die Erde sich erwärmt, die Bäume und Wiesen blühen, die Vögel mit ihrem Gesang den Frühling melden. Das Newroz-Fest verleiht dem Willen und der Sehnsucht der kurdischen Bevölkerung nach einem menschenwürdigen, freien, friedlichen Leben besonderen Ausdruck.

Zur Geschichte Kurdistans

Kurdistan liegt im Nahen Osten; in der Mitte Kleinasiens, zwischen Euphrat und Tigris erstreckt sich der größte Teil des Landes. Seit mehr als 3000 Jahren leben die Kurden in diesem Land. Nach langen Kriegen zwischen Osmanen und Persern wurde Kurdistan im Jahr 1639 durch das Kasserschirin-Abkommen zweigeteilt. Nach dem 1. Weltkrieg zerstückelten es die Imperialisten und die Machthaber der Region weiter. Von dem nunmehr viergeteilten Land bekam die Türkei den größten Teil ab. Nach Abzug der französischen und englischen Truppen bekamen Syrien und der Irak je einen weiteren Teil Kurdistans; der Iran herrschte weiter über das Gebiet, das er auch schon vor dem Krieg okkupiert hatte.

Die Lage heute

Im März 1990 erließ die Özal-Regierung für die türkisch besetzten kurdischen Provinzen zahlreiche Sondergesetze. Es gilt das Ausnahmerecht, das Verbannungsgesetz und Pressezensur. Zwangsdeportationen, willkürliche Verhaftungen und Folter sind heute Alltag im türkisch besetzten Teil Kurdistans.

Am 6.August 1990 hat die türkische Regierung offiziell die Menschenrechte in Kurdistan aufgehoben — kein einziger Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaft protestierte. Diese international verkündete Suspendierung der Menschenrechte muß als Ankündigung der türkischen Regierung verstanden werden, den kurdischen Widerstand mit allen Mitteln zu zerschlagen. Im Schatten des Golfkrieges hat das türkische Regime seinen Krieg gegen die Kurden verschärft. Die Vertreibungen und Deportationen in den Westteil der Türkei, die Vernichtung der Dörfer und die Unterdrückung der Menschen geht weiter. Heute kämpfen die Kurden für ein menschenwürdiges Leben, für ein freies Kurdistan. Der Widerstand von Kawas Nachfolger geht weiter.

Das Newroz-Fest der Kurden wird auch in Konstanz gefeiert: am 23. März ab 19.00 Uhr in der Infokneipe des Kulturladens (in der Cherisy-Kaserne). Alle sind herzlich eingeladen. — (hüt)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.