Golfkriegsberichterstattung der Medien schürt Rassismus
Golfkriegsberichterstattung der Medien schürt Rassismus
Bonn. Der Verband der Initiativgruppen in der Ausländerarbeit (VIA) hat mit einer Presseerklärung gegen die Berichterstattung am Golfkrieg protestiert. In der Erklärung heißt es: „Muslime in Deutschland sehen sich aufgrund der Berichterstattung über den Golf-Krieg einem zunehmenden Rassismus ausgesetzt. Bereits früher waren Muslime und muslimische Einrichtungen Ziel rassistischer Übergriffe. „Die Situation hat sich aber mit Beginn der Berichterstattung über den Golf-Krieg verschärft", weiß Cüneyd Sözbir vom Bundesvorstand der VIA zu berichten. „Muslime werden auf der Straße als Kriegsverbrecher beschimpft und tätlich angegriffen, und dies von der Frau und dem Mann von nebenan. Also von jener Spezies, die zwar nie mit Menschen anderer Herkunft viel zu tun hatte und diese eher als hilfsbedürftige Wesen betrachtete, aber vorher selten offen rassistisch war“.
Schon seit Jahren ist die Berichterstattung über islamische Länder selten objektiv. Meist wird nach der Devise verfahren: Was wir nicht kennen, nicht begreifen und nicht durchschauen, ist einfach schlecht und bedrohlich. Systematisch wurde das Bild vom hässlichen, bösen, aggressiven Islam aufgebaut.
Da passte ein Saddam Hussein gerade recht ins Bild, Differenzierungen werden nicht mehr vorgenommen. Daß es im Islam, ähnlich, wie im Christentum. unterschiedliche Glaubensrichtungen gibt wie Schiiten, Sunniten, Aleviten usw. interessiert nicht. Es ist der Islam, der die westliche, die zivilisierte Welt bedroht. So oder so ähnlich zumindest ist das Bild, das besonders von der Boulevardpresse verbreitet wird. Daß keineswegs die große Mehrheit der islamischen Bevölkerung im Nahen Osten kriegslüstern ist, sondern ebenso Angst vor dem Krieg hat wie die Menschen hier, wird nicht zur Kenntnis genommen Die VIA ruft dazu auf, daß besonders diejenigen, „die an der Verbreitung und Gestaltung der sogenannten öffentlichen Meinung mitwirken“, Politiker als auch Medienleute, objektiv und verantwortungsvoll zu diesem sensiblen Thema Stellung nehmen und rassistischer Hetze entgegentreten sollten. — (VIA, Theaterstr. 10, 5300 Bonn)