Juze statt Plastik: Stadtjugendpflege behindert selbstverwaltete Jugendarbeit
Juze statt Plastik: Stadtjugendpflege behindert selbstverwaltete Jugendarbeit
Konstanz. Der Verein Juze statt Plastik e.V., lehnt die auf der Sitzung des Jugendhilfeausschußes vom 12. März vorgestellten Pläne des Hochbauamts für den Umbau des Konstanzer Jugendzentrums Schlupfwinkel ab. In einer Presseerklärung kritisiert der Verein, daß für einen solch umfangreichen Haushaltsposten (allein im Jahr 1992 sind 1,1 Mio. DM vorgesehen) eine völlig unzureichende inhaltliche Diskussion geführt wurde. „Wir können nicht nachvollziehen, daß die Stadt zuerst einen .Glaspalast' erstellen will und dann über den Sinn und Zweck und dessen Nutzung diskutieren will", heißt es dazu in der Erklärung.
Dem Verein dränge sich der Verdacht auf, daß die Stadt bislang überhaupt kein inhaltliches Konzept habe. Die Verwaltung verweise lediglich auf eine „theoretische Zielgruppe“ („normale“ Jugendliche) mit dem Ziel, eine andere Gruppe (die als nicht normal betrachtet wird, weil sie sich durch einen abweichenden kulturellen und — manchmal auch — politischen Geschmack auszeichnet), die ihren Bedarf tagtäglich demonstriere, zu verdrängen. Juze statt Plastik warnt die Stadt vor einem solchen Schritt. Verwiesen wird auf die aufwendige Edelsanierung des Jugendhauses Molke in Friedrichshafen, die sich als völliger Flop erwiesen hat.
Die vorliegenden Umbaupläne ließen böse Vermutungen zu. So lasse ein Veranstaltungssaal mit Garderobe und Bestuhlung sowie einem „Lärmpuffer für Gäste, die später in Saal kommen" auf eine Art von kulturellen Veranstaltungen schließen, die nichts mehr mit der Jugendkultur von unten zu tun habe. Auch ein Musikproberaum im ersten Stock könne gar nicht für Jugendbands konzipiert sein, weil die Lärmbelästigung für das restliche Haus zu groß sein würde.
Der Verein fordert dagegen eine an selbstverwalteter Jugendarbeit orientierte Sanierung, die außerdem wesentlich effektiver und kostengünstiger durchgeführt werden könne. — (jüg)