Heft 7 vom 04.04.1991 3/7 scan 2026-05-29

Mafa Ravensburg: Legal, illegal, scheißegal

Maschinenfabrik lieferte illegal Rüstungsmaschinen in den Irak und an andere Länder


Mafa Ravensburg: Legal, illegal, scheißegal

Maschinenfabrik lieferte illegal Rüstungsmaschinen in den Irak und an andere Länder

Im August letzten Jahres wurde die Maschinenfabrik Ravensburg erstmals mit illegalen Rüstungsexporten in Verbindung gebracht. Der Spiegel berichtete über den Bau einer Kanonenfabrik im Irak, durch die Essener Firma Ferrostaal. „Heiße Ware", berichtete das Magazin, sei auch von der Maschinenfabrik Ravensburg (Mafa) geliefert worden. Im Zusammenhang mit dem Ferrostaal-Geschäft erhielt das Unternehmen Besuch von der Zollinspektion. Nur hatte sich diese vorher angekündigt. Mit dem Ergebnis, daß die Mitarbeiterinnen, die im Irak gewesen waren zusammengetrommelt wurden; sie wurden darüber informiert, was sie sagen dürften. Mittlerweile ist bekannt, daß die Mafa nicht nur indirekt Maschinen zur Waffenproduktion in den Irak lieferte. Eine Arbeitsgruppe der Ravensburger Friedensinitiative recherchierte. Was sie herausfand veranlasste Staatsanwalt Konrad Metz gegen die Firma wegen Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz und gegen die Embargos gegen den Irak und Südafrika zu ermitteln.

Die Maschinenfabrik Ravensburg baut und vertreibt zu einem nicht unerheblichen Anteil Werkzeugmaschinen zur Herstellung von Rüstungsgütern. Insbesondere Ziphmaschinen, zur Bearbeitung von Kanonenrohren, und Stoßmaschinen, zur Bearbeitung bestimmter Deckel und Abschlüsse für Kanonen. Solche Maschinen werden äußerst selten für nichtmilitärische Zwecke gebraucht. Eindeutig nur für Kanonen werden Drallziehmaschinen benutzt. Mit ihnen wird eine Windung in Kanonenrohre angebracht, die das Geschoß beim Abschuß dreht und dadurch stabilisiert. Solche Maschinen sind vom Irak bei der Mafa bestellt und von dieser auch geliefert worden. Die Maschinenfabrik Ravensburg fertigt ihre Maschinen nach Kundenvorgaben an. Es sind keine Universalmaschinen, deren Nutzung bei der Fertigung nicht erkennbar wäre. Meistens belegten auch die Adressaten, fast ausschließlich Ministerien der Verteidigung, den Verwendungszweck. Bis Februar 1991 waren den Unterlagen zur Fertigung der Maschinen die Auftragspapiere beigefügt, so daß für die Beschäftigten der Bestimmungsort und die Empfangsfirmen erkennbar waren. Dies änderte sich, nachdem die Firma wegen ihrer Rüstungsgeschäfte ins Gerede kam. Auch an Südafrika wurden, trotz Embargo, solche Ziehmaschinen geliefert und zwar an eine Firma, die Kanonen herstellt In einem Fall wurden, während ein Monteur der Maschinenfabrik Ravensburg noch anwesend war, auf dem Gelände gegenüber schon die neugebauten Kanonen eingeschossen. Andere Länder, an die Rüstungsmaschinen direkt geliefert wurden und werden sind zum Beispiel Iran, Chile, Indien, China und osteuropäische Staaten. An Südkorea und England wurden Maschinen geliefert, die von dort aus in den Irak weitergeleitet wurden. Nur die Monteure der Mafa flogen direkt nach Bagdad.

Für den illegalen Rüstungsexport existieren in der Schweiz (Briefkasten)- Firmen, die „Ravensburg Maschinenfabrik AG“ in Arbon, Stickerei-Straße 2 und die „Ravensburg Maschinenfabrik AG“ in Flurlingen (bei Schaffhausen), Winterthurer-Straße 708. In Flurlingen sind mehrere Firmen im selben Haus. Sie sind alle auf einem großen Schild aufgeführt. Darunter die "Maschinenfabrik Ravensburg AG" mit dem gleichen Firmenlogo wie das der Mafa in Ravensburg. In Arbon ist die “Maschinenfabrik Ravensburg AG" im Telefonbuch geführt, bei der angegebenen Adresse findet sich ein normales Wohnhaus, auf den Klingeln am Eingang gibt es keinerlei Hinweis auf die Firma. Das Haus liegt unmittelbar neben dem Gelände der Schweizer Firma Saurer. Dort werden die in Einzelteilen gelieferten Maschinen zusammengebaut. An der Pforte genügt es, nach „den Ravensburgern“ zu fragen, um in das entsprechende Büro geschickt zu werden. Ende Februar stand auf dem Gelände der Firma eine komplett montierte Ziehmaschine zur Kanonenrohrbearbeitung. Die Einzelteile werden zum Teil von Mitarbeiterinnen der Ravensburg Maschinenfabrik AG in die Schweiz geschmuggelt. Es gibt mehrere Beschäftigte, die in diesen Schmuggel verwickelt sind. An der „Schweiz Connection“ der Mafa sind weitere Firmen beteiligt: Die Parcom AG, die in Flurlingen im gleichen Haus („Insider“ sagen: im gleichen Zimmer) untergebracht ist, wie die Maschinenfabrik Ravensburg AG und die Novotest Ingeneering AG. Die Schweizer Maschinenfabrik lieferte viel an die Alpine Voest in Österreich. Von dort aus wurden Maschinen dann an den Irak und den Iran weitergeleitet. Der Anwalt der Mafa, Anton Maurer, bestreitet, daß die Maschinenfabrik Ravensburg mit den Schweizer Firmen liiert ist. Die Ravensburger hätten „dort absolut nicht zu sagen“. Offenbar aber doch soviel, daß der Anwalt veranlassen konnte, daß das verräterische Firmenlogo von einem Tag auf den anderen entfernt wurde. In wessen Besitz die Schweizer Firmen sind, will der Anwalt nicht sagen. Mit gutem Grund. Die Mafa ist eine Aktiengesellschaft, an der Walter Wolfgang Nussbaumer, der Vorstandsvorsitzende der Mafa, beteiligt ist. Die beiden Schweizer Maschinenfabrik-Ravensburg-Firmen sind gegründet und mit verschiedenen Beteiligungen gehalten von Walter Wolfgang Nussbaumer. Ein Blick in das „Verzeichnis der Aufsichtsräte in der Schweiz“ zeigt weitere personelle Verquickungen. Neben Nussbaumer ist als Aufsichtsrat der Schweizer Maschinenfabrik Ravensburg in Flurlingen Gert Meier aufgeführt. Bei der Parcom ist im Aufsichtsrat Gert Meier vertreten. Aufsichtsrat der Novotest Ingeneering ist Gert Meier. Aufsichtsrat der Parcom ist außerdem Robert Reichle, der in der Mafa Ravensburg als Kontrolleur zum Management gehört und dort derzeit für „Führungsaufgaben" aufgebaut wird.

Nachdem die Geschäfte der Mafa im Februar ins Gerede kamen, wurden kofferweise Aktenorder aus der Firma geschleppt und Daten im Computer gelöscht.

Zu einer Kundgebung in Ravensburg anläßlich des Golfkrieges, kamen viele Mitarbeiterinnen der Maschinenfabrik Ravensburg. Sie rissen Zettel mit Informationen über die Geschäftspraktiken der Firma von einer Stellwand. Zunächst bestritten sie vehement, daß die Mafa in Rüstungsgeschäfte verwickelt sei. Nachdem sie darauf hingewiesen wurden, daß die Adressaten ihrer Anlagen sehr häufig Verteidigungsministerien seien, verteidigte sich einer nur noch sehr lahm: „Wenn wirs nicht täten. würdens andere tun." Das die Großkapitalisten bei ihren Geschäften über Leichen gehen, ist mittlerweile bekannt. Das eigentlich erschütternde an der Maschinenfabrik Ravensburg ist, wie bereitwillig die Mitarbeiterinnen sich in die Mord(s)geschäfte des Herrn Nussbaumer verwickeln lassen. — (db. aus Neues Nebelhorn 4/91)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.