Heft 8 vom 18.04.1991 3/8 scan 2026-05-29

ZF: Zwei Drittel fahren besser mit 280 DM



ZF: Zwei Drittel fahren besser mit 280 DM

Friedrichshafen: Bei der ZF haben am Standort Friedrichshafen zwei Drittel der tariflich eingruppierten Belegschaft einen Vorteil von der Forderung nach 280 DM mindestens. 91% der Arbeiter/innen sind bis einschließlich Lohngruppe 9 eingruppiert. 15% der tariflich eingruppierten Angestellten haben ein Grundgehalt unter 2 800 DM. — Bemerkung: Die Grundeingruppierung liegt meines Erachtens in vielen Bereichen unter Tarif. Das wurde nie zum Problem gemacht, weil über Tarif Zulagen gezahlt werden, die zum Teil schleichend abgebaut werden. — Die Arbeiter/innen erhalten 14% „Werkszulage“. Sie wurde nach dem Krieg für „Wiederaufbauleistungen“ eingeführt und konnte mit Streikandrohungen gehalten werden. Bei den Angestellten wurde sie mit Einführung der tariflichen Leistungszulage gestrichen. Die tarifliche Leistungszulage liegt im Durchschnitt unter ca. 10% über dem tariflich gesicherten Mindestniveau. Die unteren Einkommensgruppen erhalten wenig, die oberen viel mehr. Auch die Akkordarbeiter/innen beziehen Leistungszulagen, was ein Eingeständnis an ihre Kampfkraft ist, womit aber tariflich mögliche Eingruppierung abgekauft wurde.

Innerhalb von einem Jahr ist die Beschäftigtenzahl in den Gruppen unter K2 von 40 auf 48 um 20% gestiegen. Die schlecht bezahlten Tätigkeiten wurden nicht personell verstärkt, sondern freiwerdende Stellen werden bei Neubesetzung niedriger bewertet.

Der Betriebsrat ist stolz darauf, anläßlich der „Optimierung der Gemeinkosten“ eine Betriebsvereinbarung „Keine Abgruppierung" durchgesetzt zu haben. Die Neugruppierungen werden aber nicht überprüft, obwohl dies seit zwei Jahren im Lohn- und Gehaltsrahmentarif als Aufgabe der Paritätischen Kommission auch für den Angestelltenbereich abgesichert ist.

Der seit 4 Jahren existierende Arbeitskreis der Vertrauensleute im Angestelltenbereich will sich verstärkt um die Eingruppierung kümmern.

Empört über das 4%-„Angebot“ vom 3. April haben sich am 4. April um 11 Uhr ca. 90 Beschäftigte aus verschiedenen Abteilungen der Fertigung zum Betriebsrat begeben, um sich über das weitere Vorgehen in dieser Tarifrunde zu informieren. — (an)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.