Heft 12 vom 13.06.1991 3/12 scan 2026-05-29

Faschistischer Terror nimmt zu

Auch in Konstanz häufen sich Überfälle faschistischer Banden


Faschistischer Terror nimmt zu

Auch in Konstanz häufen sich Überfälle faschistischer Banden

Nicht nur in den neuen Bundesländern ist eine Zunahme faschistischer Banden und damit verbunden von faschistischem Terror festzustellen. Nach dem Vorbild der SA organisieren westdeutsche und österreichische Nazigruppe schon seit Herbst 1989 mit erheblichem finanziellen und organisatorischen Aufwand Bandenstrukturen schwerpunktmäßig in den Großstädten der „fünf neuen Bundesländer“. Alle rechten Gruppierungen und Parteien-einschließliche NPD, DVU und Reps verlegten im letzten Jahr ihr Hauptbetätigungsfeld nach Osten. Immer stärker eskaliert die rassistische Gewalt ion den letzten Monaten. So sehr auch die DDR-Gesellschaft mit ihren bevormundenden Strukturen Rechtsradikalismus begünstigt haben mag, von der Positionsbildung bis zur Beschaffung sowjetischer Waffen ist alles fest in westdeutschen Nazihänden. Es vergeht kein Tag wo es nicht zu faschistischen Übergriffen gegen Menschen oder Einrichtungen wie z.B. Sammellager oder Jugendzentren kommt. Seit der Ermordung von Jorge Gamondai in Dresden und nach den Vorfällen an der polnischen Grenze ist die Aufmerksamkeit der Medien etwas breiter geworden.

Aber auch in westdeutschen Städten nimmt faschistischer Terror immer mehr zu, obwohl davon meist recht wenig bekannt ist. Ziel dieser Gewalt ist die Beherrschung der Straße, zuerst im Osten und dann im Westen der BRD.

Seit geraumer Zeit treiben Faschisten auch in Konstanz ihr Unwesen. Bis zu zehn Straftaten pro Wochenende sollen von diesen begangen werden. Auch hier richtet sich der Terror meist gegen Ausländer, Linke oder entsprechende Einrichtungen. Beim Plakatieren wurde ein Antifaschist von drei Faschisten angegriffen. Einem Mitglied des Vereins „Juze statt Plastik" wurde ein Brief mit einer Morddrohung geschickt. Auf dem Brief waren FAP-Aufkleber. Bei einem nächtlichen Angriff auf ein Wohnhaus in der Innenstadt wurde die Scheibe der Eingangstür eingeschlagen. Mittlerweile scheuen diese Nazis nicht mehr davon zurück, am hellichten Tag Leute in der Fußgängerzone zu überfallen. Offensichtlich ausgehend von einem ihrer Saufstützpunkte in der Innenstadt unternehmen sie Terrorzüge. So wurde in der Nähe vom Hertie und im Stadtgarten Leute angegriffen. Teile dieser Bande sollen sich auch bei Aktionen in Dresden beteiligt haben. An der Geschwister-Scholl-Schule wird jeden Samstag einer dieser Faschisten von Mitgliedern dieser Bande abgeholt, was zur Einschüchterung anderer Schüler führt. Während einem Fest im Jugendzentrum sollen sich in Konstanz ca. 30 Faschisten versammelt haben. Zu Angriffen der Nazis kam es erfreulicherweise nicht. Schmierereien und Aufkleber, insbesondere von der FAP, nehmen in den Straßen stark zu. Dies dürfte nur ein kleiner Teil dessen sein, was tatsächlich an Terror ausgeübt wird.

Ein Problem ist, daß die meisten der Überfälle garnicht bekannt werden. Deshalb ist es auch sehr schwierig, eine vollständige Auflistung über alle Aktionen der Faschisten zusammenzustellen. In diesem Bereich sollte in Zukunft verstärkt gearbeitet werden. Die Antifaschistinnen und Antifaschisten müssen in der Lage sein, diesen Terror der Faschisten bekanntzumachen, sonst wird sich immer nur ein kleiner Teil der Bevölkerung mit den Faschisten auseinandersetzen. Es sollte eine Anlaufstelle die öffentlich bekannt ist geschaffen werden, wo Informationen über faschistische Umtriebe zusammengetragen werden. Über die Enthüllung des Terrors wird es auch gelingen, interessierte Antifaschistinnen und Antifaschisten für den antifaschistischen Kampf zu gewinnen. —(wmo)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.