Heft 12 vom 13.06.1991 3/12 scan 2026-05-29

Völkisch-Revanchistische Hupka-Hetze auf Burschenschaftsveranstaltung Konstanz



Völkisch-Revanchistische Hupka-Hetze auf Burschenschaftsveranstaltung

Konstanz. Die Konstanzer Burschenschaft Rheno Alemannia bot Herbert Hupka, dem Bundesvorsitzenden des Revanchistenverbandes der Schlesier und CDU-Bundestagsabgeordneten (der übrigens in Ceylon geboren wurde), in der vergangenen Woche ein öffentliches Forum, um für die Einverleibung von Teilen Polens zu'werben. „Schlesien bleibt unser Auftrag“, erklärten die Burschen (Motto: „Freiheit, Ehre, Vaterland“) mit dem Veranstaltungstitel — und ließen auf der Veranstaltung keinen Zweifel am Ziel, Großdeutschland noch weiter nach Osten auszudehnen.

Der Berufsvertriebene Hupka enttäuschte den anwesenden schwarzbraunen Klüngel nicht. Der Revanchist machte zwischen den Zeilen deutlich, daß die Zustimmung der Revanchistenverbände zum Einigungs- und Nachbarschaftsvertrag, in dem die BRD die Oder-Neiße-Linie als Grenze zu Polen anerkennt, taktischer Natur ist: Im Gegensatz zu den von den Vertriebenenverbänden abgelehnten Ostverträgen der sozialliberalen Koalition Anfang der 70er Jahre sei es bei dem jüngsten Vertrag mit Polen um die Wiedervereinigung gegangen, damals „wollte man den Kommunisten einen Gefallen tun“.

Um sich das polnische Schlesien doch noch unter den deutschen Nagel zu reißen, will Hupka auf die europäische Karte setzen: Als „autonome $ europäische Region“ kann er sich Schlesien vorstellen, mit deutscher Staatsbürgerschaft für deutschstämmige Siedler selbstverständlich — richtig europäisch autonom eben. Der Weg dahin soll über die bekannte Salamitaktik führen: Mehr „Minderheitenrechte" für Schlesier müßten durchgesetzt, deren Besitzansprüche (die z.T. noch aus dem 3. Reich stammen) gewahrt werden.

Dem „Südkurier"-Schreiber, der am 7. Juni über die Veranstaltung auf drei Spalten ausführlich berichtete, sind solche weitgehenden und völkerrechtswidrigen Vorstellungen bezeichnenderweise ein „deutschlandpolitisches Moderato“. Für ihn waren allerdings auch Faschisten, die auf der Veranstaltung gleich noch die „Wiedervereinigung mit Österreich und dem Sudetenland" forderten, „jugendliche Heißsporne". Ein bedenkliches Zeichen dafür, wie fest inzwischen solch völkisch-faschistische Propaganda auch ins Repertoire der bürgerlichen Medien gehört. — (jüg)

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