Solidarität mit dem Befreiungskampf in Kurdistan
Solidarität mit dem Befreiungskampf in Kurdistan
Im folgenden dokumentieren wir das Flugblatt, mit dem ALL, Infokneipe und Kurdistan-Komitee zu der Veranstaltung mit einem Vertreter der Nationalen Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) einladen. Die Veranstaltung findet am Freitag, den 28. Juni um 20.00 Uhr im Kulturladen Statt. — (red)
Längst ist der Golfkrieg aus den Schlagzeilen verschwunden und auch die grausame Niederschlagung des Aufstandes in Südkurdistan ist schon lange kein Anlaß mehr für Kommentare. Nach diesen Massakern erfolgte der unvermeidliche Aufschrei des abendländischen Gewissens: Blieben Zerstörung, Leid und Tod während des Krieges und der darauffolgenden Massaker weitgehend vom Bildschirm verbannt, durften die Menschen in der betroffenen Region „nach getaner Arbeit" nun wieder vor die laufenden Kameras — in Massen verstört, um jede Brotration bettelnd und sich schlagend, familienenteignet, Kriegskrüppel, mit Kontonummer links oben im Bild. Mittlerweile sind auch die vielfachen Aufrufe zur Hilfe für die verfolgten Kurden und Kurdinnen wieder verstummt; auf den hektisch eingerichteten Spendenkonten gehen nur noch spärlich Gelder ein; neue Katastrophen und Massaker fordern die Aufmerksamkeit der Menschen im satten Teil dieser Welt: Flutkatastrophe in Bangladesch, Bürgerkrieg in Äthiopien, Vulkanausbruch auf den Philippinen . . .
Nur selten gibt es noch Berichte über die Situation in den — auch von vielen friedensbewegten Menschen geforderten und auch nach mehrtätiger brutaler Massakrierung der Kurdinnen und Kurden durch Saddam Husseins Soldateska — durch US-Truppen im Nordirak eingerichteten „Schutzzonen". Die Verhandlungen zwischen kurdischen Widerstandsorganisationen und dem Regime in Bagdad um Autonomie für kurdisch bewohnten Gebiete im Irak sind ebenfalls kaum noch eine Kurzmeldung wert.
Die Sieger feiern ihren imperialistischen Krieg mit Konfettiparaden; für die toten US-Gls gibt's Kränze und Orden. Hunderttausende Menschen im zusammengebombten Irak (insbesondere auch in den kurdischen Siedlungsgebieten) dürfen währenddessen ruhig verrecken, nachdem sämtliche wichtigen Infrastruktureinrichtungen — von Krankenhäusern über Elektrizitätswerke. Straßen. Brücken und Fabriken zerstört wurden.
Die vor Saddam Husseins Truppen Vertreter der ERNK spricht in Konstanz geflohenen Kurdinnen und Kurden werden in „Sicherheitszonen" zusammengetrieben, wenn sie nicht vorher durch mit Erlaubnis der US-Amerikaner gestartete Kampfhubschrauber zusammengeschossen, in den Bergen erfroren, von türkischen Soldaten auf der Flucht erschossen oder einfach verhungert sind. Soweit der imperialistische Normalzustand nach dem Golfkrieg in der Region.
Entgegen den uns hier gezeigten Bildern und vielfältigen Berichten über eine „Normalisierung" der Verhältnisse in der Region gibt es jedoch einen breiten und vielfältigen Widerstand gegen diese imperialistische „Lösung" der Probleme in der Region. Im Mittelpunkt unseres Interesses und einer antiimperialistischen Politik muß hierbei der Kampf des kurdischen Volkes um nationale Selbstbestimmung stehen. Dieser Kampf wird seit Jahrzehnten gegen die brutalen Statthalter des Imperialismus in der Region geführt. Er hat in den letzten beiden Jahren mit den Volksaufständen in Nordwest-Kurdistan (Osttürkei) und dem Volksaufstand in Südkurdistan ein neues Niveau erreicht. Wir haben deshalb einen Vertreter der Nationalen Befreiungsfront Kurdistans (ERNK), der Hauptkraft des Freiheitskampfes in Nordwestkurdistan eingeladen. Er wird berichten über die „Schutzzonenpolitik", die Rolle der Türkei bei der Sabotage von Hilfsleistungen für die kurdischen Flüchtlinge, die Strategien des Imperialismus in der Region sowie über^ die Situation und die Perspektiven ihres Kampfes.